Kirchen-Chronik

1000 Jahre alt - und immer wieder verändert: Die St. Martins-Kirche zu Sievershausen



Schon von Weitem sichtbar: Der 42 Meter hohe Glockenturm der St. Martins-Kirche zu Sievershausen.

Ausgrabungen von 1953 haben erwiesen, dass auf dem jetzigen Gelände der Kirche schon in vorchristlicher Zeit eine heilige Stätte bestand. Auch die alten Eiben an der Nordseite, die heidnische heilige Bäume sind, weisen darauf hin.

990 n. Chr.: Die erste kleine Kirche gebaut. Umriss zirka sechs Mal acht Meter, im heutigen nord-westlichen Bereich (etwa da, wo die beiden westlichen Fenster in der Nordwand sind), nachzuweisen in den Fundamenten.

1250: Sievershausen gewinnt an Bedeutung, wird ein Zentrum „Archediakonat“), Menschen aus vielen Orten kommen nach Sievershausen, um ihre Kinder vom Bischof taufen zu lassen: z.B. aus Uetze, Steinwedel, Kirchhorst, Wettmar, Edemissen, Eltze, Wipshausen, Vöhrum, Mehrum, Hohenhameln, Schwüblingsen, Dollbergen, Arpke, Oelerse, Röhrse. Die Kirche wird nach Westen hin vergrößert, der Turm wird gebaut. Er ist kaum höher als das Kirchendach.




Dieses Gemälde erinnert an die blutige Schlacht bei Sievershausen im Jahr 1553. Foto: Wikipedia

1650: Die Kirche ist wieder zu klein. Inzwischen ist Sievershausen lutherisch geworden und die Schlacht von Sievershausen hat 1553 stattgefunden. Darauf weist eine Steinplatte hoch oben an der Südwand der Kirche hin, sowie das große Ölgemälde von der Schlacht von 1600.

1688: Man erweitert die Kirche nach Süden hin.

1723: Sievershausen wird zum Sitz des Superintendenten (Vorgesetzter für Pfarrer und Gemeinden). Folgende Orte unterstehen dem Superintendenten: Dollbergen, Schwüblingsen, Arpke, Oelerse, Röhrse, Abbensen, Edemissen, Blumenhagen, Wehnsen, Eddesse, Dedenhausen, Eltze, Eickenrode, Wipshausen, Stederdorf, Eixe, Röhrse, Meinersen. Das bliebt bis 1965 so. Seitdem ist Sievershausen der Superintendentur in Burgdorf unterstellt.




So sah die Kirche vor knapp 200 Jahren noch aus.

1819: Schon wieder eine Erweiterung – diesmal wird die Kirche nach Osten hin um zwölf Meter verlängert. Eine Sakristei wird angebaut. Auch innen gibt es eine große Veränderung. Der Altar mit der Kanzel, einem griechischen Tempel nachgebaut („klassizistisch“), wird eingebaut, eine große Orgel kommt dazu – das Gehäuse („Orgelprospekt“) sieht man noch –, Emporen werden eingezogen, entsprechend die Mauern erhöht, das Dach neu gedeckt.

1858: Für den Superintendenten, seine Familie und Bediensteten wird ein stattliches Haus gebaut: Das jetzige Pfarrhaus, zweistöckig. Dagegen sah der Kirchturm fast mickrig aus.

1870: Man beauftragt den Baumeister Conrad Haase aus Hannover, den Kirchturm zu erhöhen. Seitdem hat die Sievershäuser Kirche den hohen spitzen Kirchturm. Er ist 42 Meter hoch.




Viele Grabsteine ziert das Schmetterlings-Symbol.

Bis 1900: Direkt um die Kirche herum befindet sich der Sievershäuser Friedhof. Viele Grabsteine stehen noch um die Kirche herum mit der Besonderheit, dass viele von ihnen das (nichtbiblische) Auferstehungssymbol des Schmetterlings zeigen. An der Sakristei ist ein Grabstein mit einem Loblied auf einen verstorbenen Superintendenten erhalten. Unter den Bänken in der Kirche sind manche Grabplatten jetzt Teil des Fußbodens.



Bilder zum Thema "Krieg und Frieden": Eine Holztafel (2. v. l.) erinnert an die Männer, die im Ersten Weltkrieg umgekommen sind, Maler Lange ergänzt die Holztafel um das Bild „Friede auf Erden“ (l.), Friedensgebet von Franz von Assisi und ein modernes Antikriegsbild eines Abiturienten („Und heute hat der Tod schon einen Mähdrescher“).

Seitdem hat man einiges im Inneren verändert, vor allem zum Thema „Krieg und Frieden“:

1918: Eine Holztafel für die Männer, die im Ersten Weltkrieg umgekommen sind, wird angebracht.

1923: Maler Lange ergänzt die Holztafel um das Bild „Friede auf Erden“.

1966: Ein Tischler schreibt die Fassung des Friedengebetes vom Franz von Assisi auf eine Holztafel.

1976: Ein modernes Antikriegsbild eines Abiturienten kommt dazu („Und heute hat der Tod schon einen Mähdrescher“).




Seitdem der großen Orgel die Luft ausgegangen ist, sorgt die kleine Elektro-Orgel für Musik.

1970: Die alte Orgel gibt ihren Geist auf. Sie wurde durch eine elektronische Orgel mit Riesenlautsprechern ersetzt, die man hinter die Orgelpfeifen stellte, dabei diese auch teilweise beschädigte.

1996: Die elektronische Orgel ist auch schon wieder kaputt, also schafft man eine kleine Truhenorgel an.

Seit 2004 steht ein hölzerner Taufbaum in der Kirche, ader alle Getauften mit Namen und Bild zeigt und sie so der Gemeinde ständig präsent hält.



Klassizistisch präsentiert sich der Altar nach der Renovierung in der Kirche in Sievershausen. Foto: Herbert Baller

2006: Das jüngste Kirchenprojekt ist die Renovierung des Altars und der Emporen. Im Sommer 2006 erhielt der Altar wieder seine ursprüngliche schlichte Fassung - zwei Grautöne, die hervorgehobenen Absätze mit Goldfarbe gestrichen. Mit Hilfe von großzügigen Spenden der Volksbankstiftung in Niedersachsen, der ev.-luth. Landeskirche Hannovers und vor allem aus der Gemeinde selbst war dies möglich.

Text: Pastorin Johanna Friedlein


Auf dieser bronzenen Erinnerungstafel, die am Pfingstfest 2010 enthüllt wurde, ist die 1000-jährige Geschichte der Sievershäuser St. Martinskirche in drei Sätzen zusammengefasst.