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Zum Sonntag
von Pastorin Susanne Paul
Kirchengemeinde Sehnde
Was der Küchentisch mit dem Altar zu tun hat ...
„An diesem Tisch sind wir immer wieder zusammengekommen“, sagt die Frau lächelnd. Wenn es Streit gab, oder wir etwas erlebt hatten, was wir vom Tag erzählen wollten, wenn wir Hunger hatten, oder ein Glas Wein trinken mochten – hier haben wir gesessen und geredet, getrunken und genossen, gestritten und uns versöhnt.“
Wir sitzen am Küchentisch der alten Frau und trinken Kaffee. „Jetzt lebe ich allein“, erzählt sie weiter, „aber wenn ich hier sitze, erinnere ich mich an das Leben, an den Reichtum, den ich damals hatte. Meine Freundin sagt immer: `Hör doch mit diesem `damals` auf!’ Sie versteht das nicht. Sie macht das Erinnern traurig. Aber mich nicht. Ich bekomme Kraft davon, kann dann aufstehen und nach vorne schauen, weil diese Fülle in mir ist.“
Auf dem Weg nach Hause fällt er mir ein, der Tisch in unserer Kirche, der Altar.
„Seht und schmecket, wie freundlich Gott ist“ sagt Jesus in der Einladung an diesen Tisch. Manche erleben das Abendmahl ja düster und schwer. „Ich guck meistens nach unten, das ist immer ein bisschen beklemmend“, sagte mir eine Frau aus der Gemeinde. Und vieles ist wirklich verloren gegangen von der Sinnlichkeit der ersten Abendmahle.
Das waren Mahlzeiten, in denen Mitgebrachtes geteilt wurde. Die Menschen saßen am Tisch und erinnerten sich an die Fülle, die mit Jesus in ihr Leben gekommen war. Was wäre, wenn unser Altar wieder mehr so würde wie der Küchentisch der alten Frau: ein Ort, an dem alle Sinne angesprochen werden?
Wenn wir uns beim Essen miteinander erinnern würden: an die Fülle des Lebens, an die Hoffnung gegen den Augenschein, wenn uns der Geschmack des Reichs Gottes auf der Zunge zergehen würde? Vielleicht würden wir dann auch aufstehen und uns anschauen – weil wir die Verheißung Gottes als Fülle ins uns spürten. Wir sollten es zusammen ausprobieren!
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