Sehnde

Gemeindebrief Nr. 1 | 2021

2021 | Ausgabe 01 | Dezember 2020 - Februar 2021

20.11.2020 | 3,3 MiB

Gold

Eigentlich bin ich nicht vom Typ „Elster“! Ich mache mir nicht soviel aus glänzenden und glitzerigen Sachen.

Ich trage auch keinen Schmuck. Höchstens den goldenen Ehering. Ansonsten brauche ich kein Gold an mir oder um mich herum. Ich erfreue mich lieber am Glanz der Sonne, am Glanz in den Augen eines Menschen, es ist eben nicht alles Gold, was glänzt. Andererseits haben Menschen schon Unglaubliches geleistet, um ihre Vorstellung von Gottes Glanz in sakralen Kunstwerken abzubilden. Ich denke an den goldenen Hochaltar der Kathedrale zu Sevilla von Pieter Dancart. Über 80 Jahre wurde daran gebaut und Unmengen Gold müssen dafür draufgegangen sein. Das Ding ist Wahnsinn, man kann sich nach Stunden nicht sattsehen und doch frage ich mich genau wie Judas in der Geschichte von der Sünderin, die über Jesus ihr teures Öl ausgießt: Hätte man das Geld nicht den Armen geben sollen? Und ging es dem Künstler wirklich um Gott, oder wollte er nicht vor Allem selbst glänzen? Wer weiß das schon so genau.

Auf jeden Fall haben viele fromme Seelen, ja und gerade auch arme Menschen, in dieser goldenen Opulenz Gottes Gegenwart gespürt. Gewiss mehr als ich, die ich dann doch mehr mit dem kunsthistorischen Auge draufgucke. Meine Frömmigkeit kommt eben weitgehend ohne Gold aus.

Allerdings hat es in der jüngeren Vergangenheit dann doch ein Erlebnis gegeben, in dem das Gold in Verbindung mit Gott eine Rolle spielte: Auf meiner Fortbildung im Kloster bekamen wir zum Einstieg ein Säckchen mit ein paar Utensilien. Figuren, Schmucksteine,, ein paar Stoffstücke, Fäden…. Damit sollten wir unsere aktuelle Befindlichkeit abbilden und auch zeigen, wo Gott zur Zeit in unserem Leben vorkommt.

Tüddelkram, dachte ich anfangs, begann dann aber doch fleißig, meine kleine Szene zu bauen. Ich selbst als grünes Männchen, liegend auf Moos in einem Schälchen (ich war zu dem Zeitpunkt etwas erschöpft, fühlte mich aber „grün“, nämlich im inneren Wachstum befindlich), drumherum ein paar Schmucksteine, stehend für die vielen Dinge, die mich dankbar machen. Am Ende fand ich einen Lappen, den ich vorher übersehen hatte, er sah aus wie ein schwarzes Brillenputztuch. Als ich ihn umdrehte, merkte ich, dass er auf der anderen Seite golden war. Wer hätte das gedacht, das unscheinbare Ding, so schön von der übersehenen Unterseite!

Ich legte den Lappen unter meine Szene, denn ich wusste, dieses Tuch ist jetzt mein „Gott“. Mein ganzes Leben, so wie es jetzt ist und wie es war und wie es sein wird ist von Gott getragen und umgeben, manchmal merke ich es nicht, weil ich die goldene Unterseite nicht immer wahrnehme - Gott kommt eben auch mal wie ein unscheinbares Brillenputztuch daher, das dann aber doch wichtig ist für den klaren Blick. Wohl dem, der sich Zeit nimmt, die Dinge von allen Seiten zu betrachten und festzustellen, dass der göttliche Glanz in jedem Moment in den kleinsten Dingen zutage treten kann.

Möge Gottes Glanz in deinem/Ihrem Leben sichtbar werden!

Deine/Ihre Pastorin Damaris Frehrking

Gemeindebrief Nr. 205

2020 | Ausgabe 205 | September 2020 - November 2020

23.08.2020 | 4,6 MiB

Dies ist die letzte Ausgabe des Gemeindebriefs in dieser Form. Zukünftig wird es eine gemeinsame Gemeindezeitschrift der Kirchengemeinden Sehnde, Rethmar und Haimar geben. Mehr im Gemeindebrief.

Suchet der Stadt Bestes

Ein Gebet

Suchet der Stadt Bestes
und betet für sie zum
Herrn; denn wenn's ihr
wohlgeht, so geht's euch
auch wohl
(AT, Buch Jeremia 29,7)

Wir suchen das Beste für unsere Stadt, für unsere Dörfer: In den Vereinen, in der Politik, in der Feuerwehr, auf dem Sportplatz, in den Kirchengemeinden. In den Schulen und Kitas, in den Altenpflegeheimen. Auf der Straße, in den Baugebieten, im Rathaus und draußen auf dem Feld. So gestalten wir unser Leben. Wir bemühen uns um das Beste, sind auf der Suche, wie es gut gehen kann.

Und wir beten für unsere Stadt, für unsere Dörfer:

Wir beten für alle, denen in diesen Zeiten das Wasser bis zum Hals steht.
Bedroht von der Pleite und mit Angst vor dem, was kommen wird.
Wir beten für alle, die sich um andere sorgen.
Für den Pflegedienst, unterwegs auf unseren Straßen, für die pädagogischen Fachkräfte, bemüht um unsere Kinder in Schule und Kita.
Wir beten für alle, die krank sind, vielleicht sogar vom Tod bedroht.
Denen die Kraft zum Leben fehlt, die jemanden brauchen,der an ihrer Seite bleibt.
Wir beten für alle, die sich allein fühlen.
Denen die Decke auf den Kopf fällt und denen die Nähe der anderen fehlt.
Wir beten für unser Miteinander.
Für unsere Streitkultur und unsere Begegnungen, für unsere
Gespräche und unser Schweigen, für unser Arbeiten und für
unser gemeinsames Durchatmen.
Wir beten für unsere Stadt. Wir beten für unsere Dörfer.
Wir beten für Sehnde, Gretenberg, Rethmar, Haimar, Evern und Dolgen.
Wir suchen das Beste und beten zu unserem Gott.
Amen

Pastorin Ricarda Schnelle

Gemeindebrief Nr. 204

2020 | Ausgabe 204 | Juni 2020 - August 2020

08.06.2020 | 3,1 MiB

Liebe Leserinnen und Leser!

Auf zu neuen Ufern! Segel hissen, Anker lichten, Leinen los! Der Wind bläst ins Gesicht, die Sonne scheint auf den Bauch. Der Duft von Salzwasser
und Sonnencreme strömt in die Nase. Das Wasser glitzert. Kalte Spritzer berühren die Beine. Herrlich. Dahinten, da ist der Horizont. Was es da wohl gibt? Die Augen versuchen die Grenze zwischen Himmel und Erde zu erkennen. Ist da schon ein neues Land? Ein neues Ufer?

Es war der Plan, jene neuen unbekannten Ufer zu entdecken. Doch der Urlaubsplan hat Schiffbruch erlitten Unser sonst so planbares Leben ist nun ganz ohne Plan. Corona stellt uns vor wirklich neue Herausforderungen. Immer wieder hatte es den Anschein, dass wir Menschen dem nicht gewachsen seien. Doch hätte Columbus Angst gehabt, dann hätte er Amerika nicht entdeckt. Neue Ufer zu erkunden fordert viel ab, vor allem, wenn man sie eigentlich gar nicht erkunden will. Ungewolltes Neuland bringt Angst und Sorge mit sich. Und unsere Sorgen lassen sich nicht so einfach abschütteln. Genauso wenig können wir unsere Sehnsüchte einfach so ausschalten. Vielleicht wird der Sommer 2020 der Sommer der Sehnsucht. Ich glaube, es hat auch etwas Gutes Unsere Sehnsucht kann uns trotz aller Sorgen einen Weg zu neuen Ufern ebnen: Vielleicht gibt es in Dolgen einen schönen Ort zum Picknicken. Vielleicht sind Himmel und Erde nicht auseinanderzuhalten, wenn ich über die Felder rund um Evern fahre, dem Horizont entgegen. Und vielleicht ist es auch schön, die klebrigen Spritzer aus der Sehnder Eisdiele auf der Hand zu spüren

Ich wünsche Ihnen viele neue Ufer, die sie rund um Sehnde, Rethmar Evern, Dolgen und Haimar entdecken können! Neue Ufer, die das Leben trotz aller Sorgen mit Segen erfüllen.

Ihre Friederike Schweizer, Vikarin

Gemeindebrief Nr. 203

2020 | Ausgabe 203 | März 2020 - Mai 2020

08.03.2020 | 2,2 MiB

Zwischen Weihnachten und Ostern

Gedanken zu den Feierzeiten

Wussten Sie, dass die Weihnachtszeit nach altkirchlicher Tradition 40 Tage dauert? Sie beginnt nicht etwa am ersten Advent sondern am Heiligen Abend. Und sie endet am 2. Februar, wenn wir daran denken, wie Jesus nach 40 Tagen in den Tempel gebracht wurde und der alte Simeon rief: „Jetzt kann ich in Frieden sterben, denn ich habe den Heiland gesehen!“ Am 2. Februar darf dann auch der Weihnachtsbaum endgültig „sterben“.

Die alten Feierzeiten haben sich ziemlich verschoben. Die Weihnachtsmärkte, sie mancherorts schon nicht mehr so heißen dürfen, beginnen zum Teil schon vor dem Ewigkeitssonntag. Weihnachtsbäume werden schon im Advent aufgestellt und es wird lange vor dem Heiligabend kräftig "O du fröhliche..." gesungen. Die schönen Adventslieder hingegen, in denen es um die sehnsüchtige Erwartung geht, kennen selbst fleißige Kirchgänger manchmal nicht mehr so richtig. Das Gleiche gilt für Ostern: Es beginnt erst mit dem Ostertag und eigentlich hat die ganze Osterdeko in der Fastenzeit vor Ostern noch nicht ihre Zeit.

Alles hat seine Zeit. Advent ist Advent, Weihnachten ist Weihnachten (und Schnaps ist Schnaps)! Vielleicht kann es gut tun, sich die alten Feierzeiten mal wieder ins Bewusstsein zu rufen und zu merken, dass in ihnen ein tiefer Sinn steckt: Die kirchlichen Vorbereitungszeiten wollen uns nicht in den Stress schicken sondern laden zur Einkehr und zur ruhigen Besinnung ein. Wie in der Passionszeit, die jetzt beginnt, wird uns vorgeschlagen, bewusst auf etwas zu verzichten, zu fasten (Vorschlag für die nächste Runde: Man kann sich mit der Familie und den Freunden auf weniger Geschenke einigen!).

Ab Weihnachten ist dann das Schlemmen dran, Genuss und Fülle, Begegnungen mit Zeit, genauso wie an Ostern.

Um zu zeigen, dass die Weihnachtszeit noch andauert, haben wir wieder unsere Königswanderung von Sehnde nach Rethmar durchgeführt. Sind mit rund 40 großen und kleinen Leuten dem leuchtenden Stern gefolgt und haben mit noch mal so vielen Leuten in der Katharinenkirche Gottesdienst gefeiert. Die Sternsinger der katholischen Kirche haben uns den Neujahrssegen über die Kirchtür gemalt: Christus segne dieses Haus im Jahr 2020 (C = Christus, M= Mansionem/Haus, B= Benedicat/möge segnen). Und sie haben bei uns 200€ für ein Hilfsprojekt in Syrien eingesammelt. Der Stern von Bethlehem ist nicht verloschen. Er leuchtet weiter und geht uns voran, wenn wir ihm folgen wollen. Er leuchtet bis hinein in die Osterzeit. An Ostern schließt sich ein Kreis, denn erst da wird richtig deutlich, was es mit dem Kind in der Krippe auf sich hatte! So wie die scheinbar tote Raupe sich aus dem Kokon zu einem wunderbaren Schmetterling entfaltet, so entpuppt sich der scheinbar ohnmächtige Jesus als Herr über Leben und Tod und zeigt seine Kraft mitten im Frühling, wenn alles auflebt und erblüht.

Ihre Damaris Frehrking, Pastorin

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