Sehnde

Gemeindebrief Nr. 201

2019 | Ausgabe 201 | September - November 2019

26.08.2019 | 2,7 MiB

Denk mal nach am Reformationstag

Was Martin Luther wohl zu den Denkmälern sagen würde, auf denen er selbst zu sehen ist? Zum Beispiel in Hannover vor der Marktkirche. Oder in Wittenberg auf dem Marktplatz. Oder die etwa ein Meter große Figur aus blauem Hartplastik, die hier auf dem Bild zu sehen ist. Würde er sich geschmeichelt fühlen oder würde er sich aufregen und laut schimpfen? Oder würde er einfach nur laut lachen? Und es gibt ja nicht nur Luther-Statuen. Auch Straßen sind nach ihm benannt, Kirchengemeinden und Schulen. Für uns Protestanten ist er so wichtig, dass wir nun dauerhaft am 31. Oktober frei haben. Und mit uns alle Menschen in Norddeutschland. Das hätte Luther vielleicht am meisten gefallen. Ein freier Tag. Ein geschenkter Tag. Ein Feiertag. Ohne Arbeit, ohne Schule, ohne Verpflichtungen. Ein Tag mit tausend Möglichkeiten: Ausruhen und Pause machen. Einen Gottesdienst oder ein Konzert besuchen. Oder einfach gar kein Programm, sondern mal wieder etwas lesen oder einfach zuhause sein und nachdenken. Das eigene Hirn benutzen – das war Luther besonders wichtig. Nicht andere denken lassen, sondern sich selbst eine Meinung bilden, die Möglichkeiten nutzen, mit denen uns Gott ausgestattet hat. Für Luther ging es dabei vor allem um den eigenen Glauben. Wir Menschen sind in der Lage, selbst in der Bibel zu lesen und unserem Gott bewusst im eigenen Leben zu begegnen. Mit ihm können wir uns auseinandersetzen. Und das durchaus kritisch. Zu dieser Freiheit hat uns Christus befreit – so steht es im Galaterbrief (Kapitel 5,1) bereits in der Bibel. Aber es ist keine Freiheit, die aus uns selbst kommt, sondern sie ist in Gott begründet. Und diese Freiheit dient nicht nur unserer eigenen Selbstverwirklichung, sondern ist immer auf unsere Mitmenschen bezogen. Im Galaterbrief (5,13) wird das so beschrieben: Durch die Liebe diene einer dem anderen.

Am Reformationstag geht es nicht um die Person Martin Luther. Es geht um uns selbst. Der Feiertag erinnert uns daran, dass wir Menschen – jeder Einzelne – für Gott im Mittelpunkt stehen. Wie ein Denkmal auf dem Marktplatz. Aber wir sind nicht dazu verdammt, still auszuharren und das Leben zu ertragen wie eine Figur aus Stein. Wir können das Leben frei gestalten – für und mit anderen. Daran hat Martin Luther erinnert.

Einen entspannten und nachdenklichen Reformationstag wünscht Ihnen

Ihre Pastorin Ricarda Schnelle

Gemeindebrief Nr. 200

2019 | Ausgabe 200 | Juni - August 2019

20.05.2019 | 2,8 MiB

Liebe Leserin, lieber Leser,

herzlich willkommen im Sommer-Gemeindebrief! Bei uns in der Kirchengemeinde wird es über den Sommer etwas ruhiger zugehen. Die Gemeinde geht auf Energiespar-Modus. Alle Mitarbeitenden machen nach und nach Urlaub, eine Kollegin ist 2 Wochen auf Jugendfreizeit, und so wird es über die Ferienzeit auch nur je einen Sonntagsgottesdienst zwischen Sehnde, Haimar und Rethmar geben. So praktizieren wir es schon seit einigen Jahren.

Im Pfarrbüro wird diese ruhige Zeit durchaus genossen. Endlich können mal Dinge abgearbeitet werden, zu denen über´s Jahr keine Zeit bleibt: Alte Akten schreddern zum Beispiel. Muss auch gemacht werden.

Eine ruhige Zeit im Jahr braucht man. Am besten sogar mehrere. Nicht nur die Sommerferien, sondern auch die christlichen Fest- und Feierzeiten dienen zum Innehalten und Pause-Machen. Zeiten, um die Familie zu besuchen oder Besuch zu empfangen. Zeit zum Wandern, Radeln und Schwimmen, Zeit für gutes Essen und Geselligkeit, vielleicht auch Zeit für Gott: Eine Kerze in einer Kathedrale in Frankreich anzünden; An einem Strandgottesdienst auf Borkum teilnehmen, Pilgern….

Heilsame Unterbrechungen des Alltags, in denen wir uns regenerieren und den Energieverbrauch etwas absenken, das ist gut, das ist gottgewollt, denn am siebten Tage machte Gott „Urlaub“, um seine wunderbar gelungene Welt zu betrachten und zu genießen. Wir dürfen und sollen das ebenfalls - nur, mit dem Runterfahren des Energiehaushaltes funktioniert es nicht so gut. Für den perfekten Urlaub wird oft sehr viel Energie aufgewandt. Ob mit dem Flieger, dem Kreuzschiff oder auch nur mit dem Auto – unser Urlaubsverhalten kostet. Kostet uns Geld und nach 6 Stunden im Stau auch Nerven. Kostet bei immer größeren Touristenschwärmen auch die Natur Einiges. Überall wollen wir hin schwärmen, alles sehen, jeden Berg bekraxeln, auf dem Eis herumdüsen und in der Wüste Motorrad fahren. Dabei hinterlassen wir unsere Spuren bis in den letzten Winkel des Planeten hinein.

Unsere Bewegungsund Erkundungsfreude ist eigentlich schön, schafft ja auch Arbeitsplätze…. aber unserer Erde bleiben keine Ferien, um mal runterzufahren, sich zu erholen.

Ich habe auch kein Patentrezept, wie man das alles lösen kann. Dazu reise ich selbst viel zu gern. In diesem Jahr versuche ich es mal mit dem Fahrrad. Durch Frankreich. Ich werde mir Zeit nehmen und langsamer unterwegs sein als sonst. Da ich schon mindestens meine halbe Lebenszeit verbraucht habe (bei nicht so toller Ökobilanz!) werde ich die Zeit nutzen, um in Ruhe darüber nachzudenken, wie ich die nächsten Jahre etwas schonender und nachhaltiger gestalten kann. Für mich selbst, für meine Mitmenschen und für die Umwelt.

Einen schönen Sommer im Energiesparmodus wünscht

Ihre Damaris Frehrking

Gemeindebrief Nr. 199
Gemeindebrief Nr. 199

2019 | Ausgabe 199 | März 2019 - Mai 2019

18.02.2019 | 2,6 MiB

Hinter der Maske verstecken? Wie sich ein Kostüm auswirken kann

Im tiefsten Süden Deutschlands werden sie reihenweise aufgeweckt. Sie springen. Sie tanzen. Sie treiben Schabernack. Die Narren sind los.

Sie treiben Fastnachtsflüchtlinge in den ruhigen Norden und holen die Verkleidungskünstler zu sich. Es tummeln sich nun Prinzessinnen, Cowboys, Batmans, Engel und viele mehr auf den Straßen. Oftmals denken die Menschen monatelang darüber nach als was sie sich verkleiden wollen. Wen wollen sie darstellen? In welche Rolle wollen sie schlüpfen? Welches Wesen könnten sie sein? Der Reiz jemand anderes zu sein, treibt sie an. Nicht man selbst sein zu müssen. Doch manche Kostüme haben sich so gut bewährt, dass sie über Jahre hinweg gehegt und gepflegt werden, damit sie Jahr für Jahr das Entfliehen aus dem Alltag ermöglichen.

So geht es mir mit meinem Supergirlkostüm, das ich mir mit 15 oder 16 Jahren genäht habe. Erst verstaubte es bei meiner Mutter im Schwarzwald in unserem Kostümfundus. Doch dann fiel es mir wieder ein und ich zog es wieder an. Es fühlte sich immer noch so gut an, wie beim ersten Mal auf dem Fastnachsumzug in Zell am Harmersbach, wo ich herkomme. Ich hatte das Gefühl unendlich stark zu sein und fliegen zu können. Es war schön sich in Supergirl einfühlen zu können und zu glauben, die Welt retten zu können. Die Latein- und Griechischprüfungen waren vergessen, die Hausarbeit über mittelalterliche Mystik ebenfalls. Der Rosenmontagszug kam und ging.

Dann kam der Aschermittwoch. Da wachte ich auf und bin wieder nur ich selbst. Nur? Nein, die Tage zuvor habe ich eine Ahnung erhalten, was ich auch sein könnte. Ob negativ oder positiv. Der Gedanke, wie ich sein will, wurde mir dann mitgegeben in die Fastenzeit, in die Vorbereitung auf Ostern. Was bin ich? Wer bin ich? Ist es gut so, wie ich bin?

Wieso hat die Frage nach dem, was ich bin oder sein könnte, etwas mit der Vorbereitung auf Ostern zu tun? Der Karfreitag erinnert uns Christen daran, was wir Menschen auch sind oder sein können. Wir können Menschen sein, die es sich schwer machen können mit Gott. So schwer, dass Gott zu einem so radikalen Schluss kommt und sich für uns opfert. Doch dadurch gibt er uns die Chance, dass wir neuanfangen können. Weil Gott uns annimmt, können wir uns annehmen. So ist es möglich, dass in jedem von uns auch mal das Supergirl oder der Superman erwacht und über den Aschermittwoch hinaus uns dazu bringt über uns hinauszuwachsen, weil Gott es uns möglich macht.

Ich wünsche Ihnen eine aufregende Fastenzeit und dann Frohe Ostern!

Friederike Schweize

Gemeindebrief Nr. 198
Gemeindebrief Nr. 198

2018 | Ausgabe 198 | Dezember 2018 - Februar 2019

29.11.2018 | 3,2 MiB

Friede auf Erden?

Hoffentlich feiern wir miteinander ein friedliches Weihnachtsfest. Ganz einfach ist das nämlich nicht.

Wie und wann treffen wir uns mit den Geschwistern und ihren Familien? Wer lädt zu welchem Feiertag die Großeltern ein? Oder treffen wir uns diesmal alle bei den Großeltern? Dann wird aber die Heimfahrt zum Problem. Denn übernachten können wir dort nicht alle. Unsere ganze Familie wohnt ja doch etwas verstreut.

Friede hat offensichtlich etwas mit Planung und Abstimmung zu tun, damit möglichst viele Interessen unter einen Hut kommen.

Am Heiligen Abend hole ich Opa zu uns. Aber ansonsten bleiben wir Heiligabend lieber unter uns. Wenn ihr dann alle am ersten Feiertag zu uns kommt, dann können wir ja am zweiten Feiertag meinen Bruder mit Familie besuchen, wo dann gerade auch seine Schwiegereltern zu Besuch sind.

Friede hat offensichtlich etwas mit ausgleichender Gerechtigkeit zu tun. Jeder braucht seinen Platz. Und jeder will ernstgenommen und berücksichtigt werden.

Was machen wir mit Tante Edith? Die schneit ja immer ohne jede Absprache zu den unmöglichsten Zeiten in jede Feier rein, protzt dann mit ihren Geschenken herum und erzählt ständig nur von ihren eigenen Problemen?

Friede bedeutet vielleicht auch, andere Menschen mit ihren Eigenheiten ganz einfach auszuhalten.

Und wenn Fritz wieder anfängt, mitten in den vielen Schokosachen über die ungerechten Lebensverhältnisse der Kakaobauern zu schimpfen, über unverantwortlich lange Transportwege, und sich weigert, seinen dicken Pullover auszuziehen, damit wir begreifen, dass wir selber an der Klimakatastrophe schuld sind, wenn wir alle Räume auf 25 Grad heizen?

Friede geht weit über die Menschen hinaus, mit denen wir direkt umgehen. Friede gilt auch fernen Menschen. Wir müssen über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Denn friedlich sollten doch auch die Wirkungen unseres Lebens für die ganze Schöpfung sein.

Friede auf Erden!

Das ist die Botschaft der Engel in der Nacht in der Jesus geboren wird.

Friede auf Erden, das ist aber offensichtlich kein fertiges Weihnachtsgeschenk, das wir uns mal eben zu Weihnachten abholen könnten.

Friede auf Erden ist eher eine Verheißung, ein Ziel auf das wir unsere Hoffnungen bündeln können.

Und Friede auf Erden ist eine echte Aufgabe, weil niemand für sich allein Frieden schaffen kann. Frieden verlangt Planung und Abstimmungen mit vielen. Frieden kann nur klappen, wo nach Wegen zu einer ausgleichenden Gerechtigkeit gesucht wird. Frieden verlangt nach Toleranz gegenüber anderen. Und Friede braucht einen Blick über den Tellerrand hinaus auf all das andere, was es in der Welt gibt, was uns umgibt und worauf wir Einfluss nehmen. Unser Raubbau an der Natur und unser Einfluss auf das Weltklima dienen beispielsweise nicht dem Frieden, sondern werden in absehbarer Zeit zu immer mehr Not und dann auch zu Gewalt und Krieg führen.

Friede auf Erden, das ist gar nicht so einfach – schon in der Familie nicht -- im Ort, im Land, in der Welt schon gar nicht.

Und trotzdem: das wäre ein gutes Ziel.

Nach unserem Glauben ist Friede das Ziel Gottes für die Welt.

Mit der Geburt Christi und der Botschaft der Engel zeigt er uns, wie wichtig ihm dieses Ziel ist.

Wir können seiner Richtung folgen und mit ihm auf sein Ziel zugehen. Wir können nach Wegen suchen, die uns dem Frieden näher bringen. Ein ganzes Jahr liegt vor uns, in dem wir das immer wieder versuchen und immer wieder nach Wegen zum Frieden suchen können.

Suche Frieden und jage ihm nach!"(Psalm 34,15), fordert Gott uns nämlich in der Jahreslosung 2019 auf -- das ganze Jahr über.

Ein friedliches Weihnachtsfest und ein gesegnetes und friedliches Jahr 2019 wünscht Ihnen Ihr

Uwe Büttner, Pastor

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