Sehnde

Gemeindebrief Nr. 204

2020 | Ausgabe 204 | Juni 2020 - August 2020

08.06.2020 | 3,1 MiB

Liebe Leserinnen und Leser!

Auf zu neuen Ufern! Segel hissen, Anker lichten, Leinen los! Der Wind bläst ins Gesicht, die Sonne scheint auf den Bauch. Der Duft von Salzwasser
und Sonnencreme strömt in die Nase. Das Wasser glitzert. Kalte Spritzer berühren die Beine. Herrlich. Dahinten, da ist der Horizont. Was es da wohl gibt? Die Augen versuchen die Grenze zwischen Himmel und Erde zu erkennen. Ist da schon ein neues Land? Ein neues Ufer?

Es war der Plan, jene neuen unbekannten Ufer zu entdecken. Doch der Urlaubsplan hat Schiffbruch erlitten Unser sonst so planbares Leben ist nun ganz ohne Plan. Corona stellt uns vor wirklich neue Herausforderungen. Immer wieder hatte es den Anschein, dass wir Menschen dem nicht gewachsen seien. Doch hätte Columbus Angst gehabt, dann hätte er Amerika nicht entdeckt. Neue Ufer zu erkunden fordert viel ab, vor allem, wenn man sie eigentlich gar nicht erkunden will. Ungewolltes Neuland bringt Angst und Sorge mit sich. Und unsere Sorgen lassen sich nicht so einfach abschütteln. Genauso wenig können wir unsere Sehnsüchte einfach so ausschalten. Vielleicht wird der Sommer 2020 der Sommer der Sehnsucht. Ich glaube, es hat auch etwas Gutes Unsere Sehnsucht kann uns trotz aller Sorgen einen Weg zu neuen Ufern ebnen: Vielleicht gibt es in Dolgen einen schönen Ort zum Picknicken. Vielleicht sind Himmel und Erde nicht auseinanderzuhalten, wenn ich über die Felder rund um Evern fahre, dem Horizont entgegen. Und vielleicht ist es auch schön, die klebrigen Spritzer aus der Sehnder Eisdiele auf der Hand zu spüren

Ich wünsche Ihnen viele neue Ufer, die sie rund um Sehnde, Rethmar Evern, Dolgen und Haimar entdecken können! Neue Ufer, die das Leben trotz aller Sorgen mit Segen erfüllen.

Ihre Friederike Schweizer, Vikarin

Gemeindebrief Nr. 203

2020 | Ausgabe 203 | März 2020 - Mai 2020

08.03.2020 | 2,2 MiB

Zwischen Weihnachten und Ostern

Gedanken zu den Feierzeiten

Wussten Sie, dass die Weihnachtszeit nach altkirchlicher Tradition 40 Tage dauert? Sie beginnt nicht etwa am ersten Advent sondern am Heiligen Abend. Und sie endet am 2. Februar, wenn wir daran denken, wie Jesus nach 40 Tagen in den Tempel gebracht wurde und der alte Simeon rief: „Jetzt kann ich in Frieden sterben, denn ich habe den Heiland gesehen!“ Am 2. Februar darf dann auch der Weihnachtsbaum endgültig „sterben“.

Die alten Feierzeiten haben sich ziemlich verschoben. Die Weihnachtsmärkte, sie mancherorts schon nicht mehr so heißen dürfen, beginnen zum Teil schon vor dem Ewigkeitssonntag. Weihnachtsbäume werden schon im Advent aufgestellt und es wird lange vor dem Heiligabend kräftig "O du fröhliche..." gesungen. Die schönen Adventslieder hingegen, in denen es um die sehnsüchtige Erwartung geht, kennen selbst fleißige Kirchgänger manchmal nicht mehr so richtig. Das Gleiche gilt für Ostern: Es beginnt erst mit dem Ostertag und eigentlich hat die ganze Osterdeko in der Fastenzeit vor Ostern noch nicht ihre Zeit.

Alles hat seine Zeit. Advent ist Advent, Weihnachten ist Weihnachten (und Schnaps ist Schnaps)! Vielleicht kann es gut tun, sich die alten Feierzeiten mal wieder ins Bewusstsein zu rufen und zu merken, dass in ihnen ein tiefer Sinn steckt: Die kirchlichen Vorbereitungszeiten wollen uns nicht in den Stress schicken sondern laden zur Einkehr und zur ruhigen Besinnung ein. Wie in der Passionszeit, die jetzt beginnt, wird uns vorgeschlagen, bewusst auf etwas zu verzichten, zu fasten (Vorschlag für die nächste Runde: Man kann sich mit der Familie und den Freunden auf weniger Geschenke einigen!).

Ab Weihnachten ist dann das Schlemmen dran, Genuss und Fülle, Begegnungen mit Zeit, genauso wie an Ostern.

Um zu zeigen, dass die Weihnachtszeit noch andauert, haben wir wieder unsere Königswanderung von Sehnde nach Rethmar durchgeführt. Sind mit rund 40 großen und kleinen Leuten dem leuchtenden Stern gefolgt und haben mit noch mal so vielen Leuten in der Katharinenkirche Gottesdienst gefeiert. Die Sternsinger der katholischen Kirche haben uns den Neujahrssegen über die Kirchtür gemalt: Christus segne dieses Haus im Jahr 2020 (C = Christus, M= Mansionem/Haus, B= Benedicat/möge segnen). Und sie haben bei uns 200€ für ein Hilfsprojekt in Syrien eingesammelt. Der Stern von Bethlehem ist nicht verloschen. Er leuchtet weiter und geht uns voran, wenn wir ihm folgen wollen. Er leuchtet bis hinein in die Osterzeit. An Ostern schließt sich ein Kreis, denn erst da wird richtig deutlich, was es mit dem Kind in der Krippe auf sich hatte! So wie die scheinbar tote Raupe sich aus dem Kokon zu einem wunderbaren Schmetterling entfaltet, so entpuppt sich der scheinbar ohnmächtige Jesus als Herr über Leben und Tod und zeigt seine Kraft mitten im Frühling, wenn alles auflebt und erblüht.

Ihre Damaris Frehrking, Pastorin

Gemeindebrief Nr. 202

2019 | Ausgabe 202 | Dezember 2019 - Februar 2020

08.03.2020 | 2,2 MiB

Das ist schon seltsam….

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie widersprüchlich der Advent ist, weil alle Welt einer Hoffnung folgt?

Das Wetter ist grau und ungemütlich. Aber wir folgen einer Hoffnung und machen es hell und heimelig.

Es ist die dunkelste Zeit im Jahr. Aber wir machen Lichter an, am liebsten Kerzen mit ihrem warmen und lebendigen Licht.

Man möchte sich hinter den Ofen verkriechen. Aber wir gehen hinaus auf Weihnachtsmärkte, zum lebendigen Adventskalender und freuen uns auf eine klare Sternennacht oder auf Schnee zu Weihnachten.

Obwohl es kaum gelingt, ein Familienleben unbeschadet zu halten, feiern wir die heilige Familie im Stall. Wir hören von ihrer Armut und feiern unseren Luxus.

Diese ganzen Widersprüche entstehen, weil wir unsere Hoffnung feiern. Und unsere Hoffnung ist so schön, dass sich alle Welt anschließt. Sogar in Japan wird zunehmend Weihnachten gefeiert, obwohl Christen dort nur eine verschwindende Minderheit sind.

Es geht etwas ganz besonderes von Weihnachten aus. Wir hoffen darauf, dass es warm wird zwischen den Menschen und in ihren Herzen, hell in den Gedanken und in den Gesichtern. Wir hören, dass uns eine Zukunft geöffnet wird, die lebenswert ist. Dafür setzen wir viel in Bewegung:
Das Leben soll Spaß machen. Wir schenken viel, das Freude macht – nicht nur den Kindern. Leben, wie wir es uns wünschen, wird sichtbar.

Das alles hat seinen Kern in der Geschichte von der Geburt des Kindes, in dem Gott auf die Welt kommt, Jesus. Die Hoffnung wird neu geboren. Die Zukunft beginnt neu. Die Nacht wird hell. Finsternis verliert ihren Schrecken. Arme und Benachteiligte werden direkt zur Krippe eingeladen. Himmlischer Jubel macht uns leicht und froh.

Leider sind es nur ein paar Tage am Ende des Jahres, in denen alle Welt der Hoffnung folgt.
Denn so gern viele Weihnachten feiern – nach den Festtagen kehren sie in den grauen Alltag zurück. Muss das so sein?

Wir könnten die Hoffnung fortsetzen bis weit in das neue Jahr hinein. Wir könnten es dort hell machen, wo Leben düster ist, und Wärme und Freude dort hinbringen. Im Advent und zu Weihnachten schaffen wir das ja auch.

Mit Gottes Hilfe wäre das auch im neuen Jahr möglich.

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9,24) ist die Bitte eines Vaters, der Jesus um das Leben seines Kindes bittet.

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ könnte unsere Bitte sein, wenn wir um neues Leben für das neue Jahr  bitten -- gutes, erfülltes, helles und hoffnungsvolles Leben in 2020

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ ist die Jahreslosung für das neue Jahr. Mit Gottes Hilfe können wir das neue Jahr mit Leben füllen.

Ein gesegnetes Jahr 2020 wünscht Ihnen

Uwe Büttner, Pastor

Gemeindebrief Nr. 201

2019 | Ausgabe 201 | September - November 2019

08.03.2020 | 2,7 MiB

Denk mal nach am Reformationstag

Was Martin Luther wohl zu den Denkmälern sagen würde, auf denen er selbst zu sehen ist? Zum Beispiel in Hannover vor der Marktkirche. Oder in Wittenberg auf dem Marktplatz. Oder die etwa ein Meter große Figur aus blauem Hartplastik, die hier auf dem Bild zu sehen ist. Würde er sich geschmeichelt fühlen oder würde er sich aufregen und laut schimpfen? Oder würde er einfach nur laut lachen? Und es gibt ja nicht nur Luther-Statuen. Auch Straßen sind nach ihm benannt, Kirchengemeinden und Schulen. Für uns Protestanten ist er so wichtig, dass wir nun dauerhaft am 31. Oktober frei haben. Und mit uns alle Menschen in Norddeutschland. Das hätte Luther vielleicht am meisten gefallen. Ein freier Tag. Ein geschenkter Tag. Ein Feiertag. Ohne Arbeit, ohne Schule, ohne Verpflichtungen. Ein Tag mit tausend Möglichkeiten: Ausruhen und Pause machen. Einen Gottesdienst oder ein Konzert besuchen. Oder einfach gar kein Programm, sondern mal wieder etwas lesen oder einfach zuhause sein und nachdenken. Das eigene Hirn benutzen – das war Luther besonders wichtig. Nicht andere denken lassen, sondern sich selbst eine Meinung bilden, die Möglichkeiten nutzen, mit denen uns Gott ausgestattet hat. Für Luther ging es dabei vor allem um den eigenen Glauben. Wir Menschen sind in der Lage, selbst in der Bibel zu lesen und unserem Gott bewusst im eigenen Leben zu begegnen. Mit ihm können wir uns auseinandersetzen. Und das durchaus kritisch. Zu dieser Freiheit hat uns Christus befreit – so steht es im Galaterbrief (Kapitel 5,1) bereits in der Bibel. Aber es ist keine Freiheit, die aus uns selbst kommt, sondern sie ist in Gott begründet. Und diese Freiheit dient nicht nur unserer eigenen Selbstverwirklichung, sondern ist immer auf unsere Mitmenschen bezogen. Im Galaterbrief (5,13) wird das so beschrieben: Durch die Liebe diene einer dem anderen.

Am Reformationstag geht es nicht um die Person Martin Luther. Es geht um uns selbst. Der Feiertag erinnert uns daran, dass wir Menschen – jeder Einzelne – für Gott im Mittelpunkt stehen. Wie ein Denkmal auf dem Marktplatz. Aber wir sind nicht dazu verdammt, still auszuharren und das Leben zu ertragen wie eine Figur aus Stein. Wir können das Leben frei gestalten – für und mit anderen. Daran hat Martin Luther erinnert.

Einen entspannten und nachdenklichen Reformationstag wünscht Ihnen

Ihre Pastorin Ricarda Schnelle

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