Projektgestaltung

Idee, Texte, Fotos
Konzept in Zusammenarbeit
mit dem Kirchenkreis Burgdorf

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Stefan Heinze
Freier Journalist, Fotograf
Tel. 05136 - 97 03 36
Fax 05136 - 97 03 37

E-Mail: info@stefanheinze.de


Fotobearbeitung, Layout
Koordination

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Wolfgang Hornig,Diakon
Referent für Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 05136 - 88 89 13

E-Mail: oef@kirchenkreis-burgdorf.de

Gemeinden unterwegs

Ein Ausstellungsprojekt von 2007 bis 2008 des Kirchenkreises Burgdorf

Die Voraussetzungen

Der Name des Ausstellungsprojektes „Gemeinden unterwegs“ verweist auf eine grundlegende Situation kirchlicher Arbeit in der Region und darüber hinaus: Der Kirchenkreis Burgdorf befindet sich wie im Grunde alle Kirchenkreise der Landeskirche Hannovers in einem tief greifenden Wandel. Gesunkene Kirchensteuereinnahmen, zunehmendes Durchschnittsalter der Gemeindemitglieder und eine neue Offenheit der Menschen für Religiosität sind nur einige der dynamischen Koordinaten kirchlichen Handelns.

Die Entstehung

Vor diesem Hintergrund haben die 18 Gemeinden des Kirchenkreises und ihre Dienste wie beispielsweise die Diakonie ihre Arbeit in einem so genannten Organisationsentwicklungsprozess (OE-Prozess) selbstkritisch unter die Lupe genommen und auf der Basis dieser Erkenntnisse neu ausgerichtet. Das Ausstellungsprojekt „Gemeinden unterwegs“ begleitete diesen Prozess. Zum einen präsentierte es das neue Profil der Gemeinden und Dienste in den Kommunen des Kirchenkreises und zum anderen hat es dafür gesorgt, dass sich die konzeptionellen Überlegungen gleich konkret im Lichte der Öffentlichkeitsarbeit bewähren mussten. Diese beabsichtigte Wechselwirkung kam also beiden, dem OE-Prozess und dem Ausstellungsprojekt zugute.

Die Ausstellung

So ist auf mehr als 40 Stelltafeln, so genannten Rollups, ein umfassendes Porträt des Evanglisch-lutherischen Kirchenkreises in der Region entstanden. Reportagefotos und ansprechende Texte geben Auskunft über das Profil der einzelnen Gemeinden und Dienste, über ihr Selbstverständnis, ihre Schwerpunktangebote, Stärken und Besonderheiten, aber auch über die Planungen für die Zukunft. Zudem hat sich jede Gemeinde einen unverwechselbaren Slogan gegeben, mit dem sie von jetzt an in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam machen kann.

Die Präsentation

Wer das so entstandene Panorama der vielfältigen, kirchlichen Arbeit auf einmal kennen lernen wollte, musste sich beeilen. Eine Woche lang waren die Stellwände in der Städtischen Galerie Lehrte auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik der Stadt zu sehen.

Danach gingen sie für ein halbes Jahr auf Reisen durch den ganzen Kirchenkreis und zwar stationsweise. Dabei war an 20 Orten je eine oder zwei der Präsentationen zu sehen. Einmal pro Woche rotierten die Porträts zur jeweils nächsten Station. Die Gemeinden machten so ihre Angebote und Kompetenzen kirchenkreisweit bekannt und gaben anderen Akteuren Anregungen für ihre Arbeit. Die Dienste und Gemeinden luden damit aber auch über ihre Grenzen hinaus zu Teilhabe ein, profilierten sich im Kirchenkreis und schafften Anregungen zur Zusammenarbeit.

Gemeinden unterwegs - Kirchengemeinde Arpke

Die Nachnutzung

Nach der Rotationsphase verblieben die Präsentationen in den jeweiligen Gemeinden und bei den Diensten als öffentlichkeitswirksames Darstellungsmittel. Das erarbeitete Bild- und Textmaterial floß in die jeweiligen Internetpräsenzen des Kirchenkreises und der Gemeinden ein.

Die Öffnungszeiten

Ab Dezember waren die Tafeln bis Anfang Januar in der jeweiligen "Heimatgemeinde", bzw. "Heimatdienst" zu sehen. Danach rotierten sie ein halbes Jahr lang durch alle Gemeinden und Einrichtungen. In der zweiten Septemberhälfte 2008 war die gesamte Ausstellung beim "Tag des Kirchenkreises" in Burgdorf zu sehen.

Die Akteure

Die Hauptakteure des Projektes „Gemeinden unterwegs“ waren die Ehren- und Hauptamtlichen des Kirchenkreises Burgdorf. Sie erarbeiteten die Profile ihrer Gemeinden und Dienste.

Die sich so nahe legenden Darstellungen in Bildern und Texten schuf der Freie Journalist Stefan Heinze aus Burgdorf. Er hatte auch die Idee zu der Ausstellung und erarbeitete in Kooperation mit dem Kirchenkreis das Konzept. Der Diakon und Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis, Wolfgang Hornig, bearbeitete die Fotos und setzte sie mit den Texten auf den Rollups in Szene.

Der Öffentlichkeitsausschuss des Kirchenkreistages unter Vorsitz von Ursula Prüße war für die Projektkoordination verantwortlich.

Die Lenkung oblag der stellvertretenden Superintendentin Susanne Paul (zuvor dem ehemaligen Superintendenten Dr. Detlef Klahr) zusammen mit Pastor Marcus Buchholz, dem Kirchenkreisvorstand und dem Kirchenkreistag.

Gedruckt wurden die Rollups von der Firma Contura-Technik aus Sarstedt.

Die Förderer

Das Ausstellungsprojekt wurde maßgeblich gefördert von der Hanns-Lilje Stiftung Hannover. Weitere Förderer waren die Sparkasse Hannover, die Druckerei Block in Burgdorf, die Rubens-Apotheke in Burgdorf, die Bruderhilfe Versicherungen Hannover, die Raiffeisen-Warengenossenschaft Osthannover e.G., die Firma Kutzner in Ahlten und der Malermeister Zilch in Sehnde-Ilten.

Andacht zur Ausstellung

gehalten von der damaligen Arpker Pastorin
in der Städtischen Galerie Lehrte

Gemeinden unterwegs – die Überschrift über die Ausstellung und die Tafeln selber rahmen in wahrsten Sinne des Wortes unsere Andacht. Gemeinden unterwegs – das ist ein gut biblischer Gedanke. Das Unterwegssein ist quasi die Lebensform der Leute, die uns ihren Glauben in den Schriften überliefert haben.

Wir kennen sie: Abraham, der auszieht; Mose, der sein Volk in die Freiheit führt; die Israeliten, das wandernde Gottesvolk, das sein Heiligtum – die Bundeslade – ebenso handlich verpackt hat wie wir die Roll-ups der Ausstellung: Immer bereit aufzubrechen, sesshaft werden nur für kurze Zeit. Auch Jesus und seine Jünger – ein Wanderprediger mit seinen Freunden, die immer nur kurz irgendwo einkehren. Schließlich Paulus, ohne dessen Missionsreisen das Christentum den Westen nicht erreicht hätte.

Es scheint, als liege in dieser Bewegung, dieses Daseins im Vorläufigen eine besondere Nähe zum Göttlichen. Vielleicht ist es der Reiz des Neuen, des Unverbrauchten, noch nicht Dagewesenen, das uns so verheißungsvoll erscheint: „In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“ dichtete Herrmann Hesse.
Vielleicht ist es auch die Hoffnung, dass unsere Wanderschaft auf ein Ziel zulaufen möge, in dem wir finden, was wir – im Leben unterwegs – nur streifen: Erfüllung und Sinn; Heimat und Frieden. „Unruhig ist mein Herz, bis es ruhet in dir, Gott“ – betete einst Augustin; einer, der viel Veränderung im Glauben und im Leben mitgemacht hat.

Gemeinden unterwegs – damit trifft die Überschrift aber auch eine große Strömung unseres Zeitgeistes. Wir leben in einer mobilen Gesellschaft. „Bis zu einer Stunde Fahrtzeit ist normal, um morgens zu seiner Arbeitsstätte anzureisen“ – hat mir kürzlich jemand gesagt. Wir spüren, wie empfindlich es uns trifft, wenn unsere Bewegungsfähigkeit eingeschränkt ist: die Autobahn ständig durch die Baustelle verstopft; auf die Bahn durch Streiks stundenlang warten.
Mobilität ist das Gebot der Stunde. Erst langsam lernen wir wieder, dass es dabei nicht nur um Geschwindigkeit geht, sondern auch darum, unterwegs zu finden, was über die Zeit verloren gegangen ist – an Lebensqualität, an Selbstgefühl.
„Ich bin dann mal weg“ – dieses Tagebuch eines wandernden Komikers, der Bericht gibt von seiner beschwerlichen und doch befreienden Pilgerschaft nach Santiago de Compostela ist wohl nicht umsonst ein Bestseller geworden.

Unterwegs sein, aufbrechen – das heißt auch immer das Vertraute verlassen. Abschied zu nehmen von dem, was vorher war. Wir denken in diesen Tagen an solche Zeiten des Abschieds. Mit dem Ende des Kirchenjahres, mit dem Volkstrauertag und dem Ewigkeitssonntag stehen uns Erfahrungen vor Augen, die von schmerzlichen Abschieden geprägt sind. Von einem, der nach langer Wanderschaft im Auftrag Gottes Abschied nehmen wollte, berichtet die Bibel im 1. Buch der Könige (Kap 19). Vom dem Propheten Elia ist da die Rede:

„Er ging hin in die Wüste eine Tagesreise weit und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: `Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.` Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: `Steh auf und iss!` Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des Herrn kam zum zweitenmal wieder und rührte ihn an und sprach: `Steh auf und iss! Du hast noch genug Weg vor dir.` Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.“

Elia, der Gottesstreiter, taucht in der Geschichte des Volkes Israel unvermittelt auf, tritt in diese Geschichte einfach ein – und bringt sie in Bewegung. Dass er als Gottesstreiter bezeichnet wird, ist Programm. Gegen andere Götter, gegen falsche Versprechen richtet sich seine Prophetie. Und sie hat Konsequenzen. Das Volk Israel bekehrt sich schließlich zu seinem Gott. Aber in diesem Kampf um den rechten Glauben sterben die Propheten des Baal – durch die Hand Elias.
Die Bibel schreibt dies in einem halben Satz. Bei Elia bleibt mehr zurück. „Nimm meine Seele zurück zu dir. Ich tauge nicht zu der Aufgabe, zu der du mich berufen hast. Ich bin nicht besser als meine Väter.“ Er geht in die Wüste zurück, aus der das Volk Israel einst gekommen ist, als wollte er den Weg der Heilsgeschichte wieder zurückgehen. Ob ihm der Preis zu hoch war? Man könnte es ihm nicht verdenken. Elia ist das Wagnis eingegangen, im Aufbruch und in der Veränderung der Verheißung Gottes nachzugehen und hat verloren. So sieht er es für sich.

Mag sein, unser Wagnis Vertrautes zu verlassen, um Neues anzugehen, hat selten so dramatische Folgen. Und doch: Man kann schon müde werden, wenn die Bewegung in eine Richtung geht, die anders ist als die, die uns vor Augen stand. Das Risiko, enttäuscht zu werden, geht mit. Man kann müde werden, wenn man Veränderungsprozesse vorantreibt und sich doch nichts bewegt. Man kann zweifeln an sich selbst, wenn der eigene Plan vom Glück nicht aufgeht. Werde ich noch gebraucht? Bin ich richtig an diesem Platz?

Solche Fragen kommen unterwegs. Von allen großen biblischen Wanderern durch die Glaubensgeschichte werden diese Momente erzählt: von Abraham, der auf die Probe gestellt wird, von Mose und seinem Volk, das in der Wüste wieder zurück nach Ägypten will, von den Jüngern um Jesus, die sich im Moment des Todes Jesu von ihm abwenden, von Jesus selbst, der mit der Frage „Warum?“ auf seinen Lippen stirbt, schließlich von Paulus, der bisweilen unter Tränen seine Briefe schrieb.

Elia will sterben und legt sich schlafen. Was jetzt geschieht überlässt er dem Handeln Gottes. Vielleicht wird er so erst wirklich zu seinem Propheten. Denn in dem Moment, in dem Elia sich nicht mehr bewegen will, bewegt sich Gott. Kommt auf ihn zu in Gestalt eines Engels, berührt ihn sanft und spricht: „Iss und trink! Es gibt noch viele Wege für dich, auch wenn du jetzt keinen siehst.“ In Gestalt des Engels rührt Gott ihn an.

„Anrühren heißt in Bewegung bringen.“ – hat der Philosoph Heidegger gesagt. Was rührt mich an, wenn ich müde werde auf meinem Weg? Ein freundliches Wort, eine wohltuende Geste, ein „iss und trink“ – wie es der Engel sagt.

Und genau das ist für mich auch die wirkliche Bewegung, die in den Gemeinden steckt, die unterwegs sind. Nicht so sehr greifbar wie die Stellwände selbst, auf denen sie etwas von sich zeigen. Aber doch sichtbar in den Bildern und Texten. Menschen, die sich anrühren und bewegen lassen von den Erfahrungen, den Schicksalen anderer.
Viele Bilder in dieser Ausstellung zeigen Menschen, die einander so zugewandt sind, wie ich es mir bei dem Engel Elias vorstelle. Große, die sich herunterbeugen zu den Kleinen und ihnen zuhören. Junge, die sich neben Alte auf die Sessellehne setzen. Ehrenamtliche, die sich Zeit nehmen, um mit Schülern Hausaufgaben zu machen. Die Segnende, die sich herunterkniet und die Hände auf den Kopf eines Kindes legt.


Einander zugewandt sein und sich anrühren lassen - auf diese Weise mögen sich viele Wege öffnen. Für uns als Gemeinden, die unterwegs sind auf der Suche nach einer guten Zusammenarbeit auch bei knapper werdenden Finanzen ebenso wie für uns persönlich, die wir unterwegs sind auf der Suche nach dem Ort, an dem unser Dasein Sinn erfährt.

„Iss und trink. Du hast noch genug Weg vor dir.“ Das wünsche ich mir, wenn ab Montag die Tafeln auf Wanderschaft gehen: dass sie zum Zeichen werden dafür, dass es genug der Wege gibt, die möglich sind, wo wir im Vertrauen auf Gott unterwegs sind.