150 Gäste verabschieden Pastor Uwe Büttner

Feierlicher Open-Air-Gottesdienst in Sehnde

Pastor Uwe Büttner predigt noch einmal in seiner Kirchengemeinde. Foto: Stefan Heinze
Pastor Uwe Büttner predigt noch einmal in seiner Kirchengemeinde. Fotos (4): Stefan Heinze

Sehnde. Die Kirchengemeinde Sehnde hat am Sonntag Pastor Uwe Büttner in den Ruhestand verabschiedet. Rund 150 Gäste kamen zu dem Freiluftgottesdienst, der aufgrund der aktuellen Hygiene-Regeln auf dem Parkplatz am Gemeindehaus an der Mittelstraße stattfinden musste. Büttner predigte noch einmal in seiner Gemeinde und sprach den Segen. Superintendentin Sabine Preuschoff verabschiedete Uwe Büttner als "Kollegen und Freund" und entpflichtete ihn von seinen Aufgaben als Pastor. Pastor Uwe Büttner war acht Jahre in der Kirchengemeinde Sehnde tätig, zuletzt auch in den Kirchengemeinden Rethmar und Haimar.

Ausführliche Berichterstattungen über die Verabschiedung finden Sie in dern lokalen Medien:

Zum Bericht der HAZ- und NP-Redaktion >
Zum Bericht des Marktspiegels >
Zum Bericht der Sehnde News >

Uwe Büttners Abschiedspredigt können Sie hier nachlesen:

application/pdf Predigt_Mt11_25-30_web.pdf (68,5 KiB)

Pastor Uwe Büttner im Gespräch

Pastor i.R. Uwe Büttner. Foto: privat
Pastor i.R. Uwe Büttner. Foto: privat

Anlässlich des Abschieds von Pastor Uwe Büttner hat Reinhard Golenia von der Gemeindebriefredaktion der Kirchengemeinde Sehnde mit Uwe Büttner in einem lesenswerten Gespräch Rückschau gehalten und nach vorne geblickt. Wir dokumentieren das Gespräch an dieser Stelle nahezu ungekürzt:

Reinhard Golenia: Ich kann mich gut erinnern, wie es mir vor zwei Jahren ging, als ich mich in den Ruhestand verabschiedet habe. Gemischte Gefühle möchte ich sagen. Wie geht es Dir in dieser Situation?

Uwe Büttner: Auch wenn ich die Ziellinie schon vor Augen habe, bestimmen die gegenwärtigen Herausforderungen und dabei insbesondere die Corona Krise mein Leben hauptsächlich. Aber ich spüre auch die 36,5 Jahre im Dienst im Namen des Herren und brauche deshalb in der Pension zunächst eine Zeit der Ruhe und Besinnung. Darauf freue ich mich.

Reinhard Golenia: Gab es für deine Entscheidung Pastor zu werden ein bestimmtes, auslösendes Ereignis?

Uwe Büttner: Ich habe Farbenlithograph gelernt, einen Beruf, den es heute gar nicht mehr gibt. Die Arbeit insbesondere für die Werbeindustrie hat mich aber nicht erfüllt. Es war eine sehr detaillierte Feinarbeit, die höchste Konzentration gefordert hat. Ich habe deshalb nach der Lehre das Fachabitur in Gestaltung gemacht. Dann habe ich einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Ich nahm das Angebot der Hannoverschen Landeskirche wahr, auf dem zweiten Bildungsweg in Celle und Hermannsburg Theologie zu studieren. Auslöser für diese Entscheidung war die Suche nach einer sinnvollen Lebensaufgabe, zumal ich nach meiner Konfirmation durch die Mitarbeit in Jugendgruppen den Bezug zur Kirche nie verloren hatte.

Reinhard Golenia: Dein Lebenslauf ist ja sehr abwechslungsreich. Was waren die wichtigsten Stationen und Ereignisse?

Uwe Büttner: Ein Jahr habe ich in Münster studiert, wo ich meine Frau kennen gelernte. Nach dem Vikariat in Winsen (Luhe) bin ich am 15.01.84 in Haßbergen und Eystrup ordiniert worden, wo ich rd. 7,5 Jahre Dienst tat. Dort haben wir den Heimatverein Haßbergen gegründet, um die alte Kapelle zum Kulturzentrum umzubauen, in der bis heute kulturelles Leben stattfindet. Ich war Diakoniebeauftragter des Kirchenkreises und habe die erste Diakonie Sozialstation mit eingerichtet und die erste Kirchenkreissozialarbeiterin mit eingearbeitet. Nach zwei Jahren in der Hann. Mündener Stadtkirchengemeinde war ich zehn Jahre in Sottrum bei Rothenburg/Wümme. Dort gab es einiges neu aufzubauen. Gerne erinnere ich mich an die Väter- und Kinderarbeit mit Fahrradtouren, Heuhotel und anderen Aktivitäten und den Neubau eines Pfarrhauses für die zweite Pfarrstelle. In Sottrum sind auch unsere Kinder Ulla und Urs geboren wurden. Ich war Beauftragter für die „kirchlichen Dienste auf dem Lande“, wo es um die Wahrnehmung der Belange der Landwirtschaft im Kirchenkreis und die Zusammenarbeit mit den Landwirten ging. Meine Frau, die ja auch Pastorin ist, hat dann parallel in Rothenburg/Wümme gearbeitet. Damals durfte nur einer von zwei Eheleuten eine volle Stelle bekleiden. Deshalb sind wir 2003 in den Kirchenkreis  Laatzen Springe gegangen, wo ich als Vakanzvertreter für längerfristige Vakanzen in Wilkenburg, Hemmingen-Westerfeld und Alt-Laatzen sowie als Öffentlichkeitsbeauftragter des Kirchenkreises mit halber Stelle tätig war. So konnte meine Frau  im Schulwerk der Hannoverschen Landeskirche mit voller Stelle als Schulpastorin wirken. Nach einem Studiensemester in Göttingen ging es nach Sehnde, wo ich am 15.01. 2012 meine Amtseinführung hatte. September 2012 sind wir dann von Sarstedt nach Sehnde umgezogen. Hier wurde ich besonders mit Baufragen betraut (Umbau Gemeindehaus, Bonhoefferhaus) und habe die Männerarbeit im Kirchenkreis Burgdorf übernommen.

Reinhard Golenia: Wie siehst Du die sinkende Zahl der Kirchenmitglieder. Wo liegen die Ursachen für die Kirchenferne so vieler Menschen und gibt es einen Weg, das zu ändern?

Uwe Büttner: Die Menschen suchen nach Orientierung, daran hat sich nichts geändert. Auch wenn es ihnen heutzutage sehr schwer fällt, nicht nur Verbraucher zu sein. „Fridays for Future“ und nun auch Corona zeigen die Verantwortung auf. Mit der Kampagne für „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ setzen sich die  evangelischer Kirchen seit mehr als 30 Jahren beispielsweise für die Wahrung der Schöpfung ein, weil zum christlichen Glauben auf jeden Fall die Verantwortung für die Welt gehört. Wir, die christliche Kirche,  müssen den Menschen Hoffnung und Leitlinien geben, die in unserer Zeit fehlen.

Reinhard Golenia: Wie kam es dazu, dass Du dich für Sehnde als Deine letzte Pfarrstation entschieden hast?

Ich wollte gerne mit Kolleginnen und Kollegen in einer übersichtlichen Gemeinde zusammenarbeiten. Da hat Sehnde gut gepasst. Verbundenheit und Identifizierbarkeit als Ansprechpartner für die Gemeinde waren mir wichtig. All das habe ich in Sehnde gefunden. In den letzten 18 Monaten wollte ich bewusst meinen Einsatz zurückfahren und zum Beispiel Beisetzungen mit Trauerarbeit, die ich selbst auch mehr und mehr seelisch zu verarbeiten hatte, und Konfirmandenarbeit abgegeben, wofür eine halbe zusätzliche Stelle vorgesehen war. Für mich sollte zukünftig die Arbeit im Kirchenkreis im Vordergrund stehen. Doch dann kam die Versorgung der Nachbargemeinden und die Vorbereitung Gesamtkirchengemeinde dazwischen und ich war wieder voll im Geschäft, wenn auch mit einem reduzierten Bezirk.

Reinhard Golenia: Für mich bist Du der ruhende Pol in unserem Pastorenteam. Wie hast Du die Jahre in Sehnde und Deiner Sehnder Kirchengemeinde erlebt? Gab es besondere Ereignisse und Erlebnisse, die Du mitnehmen wirst?

Uwe Büttner: Ich selbst sehe mich gar nicht so ruhig, sondern habe versucht, etwas voran zu treiben und die Gemeinde auf eine veränderte Zukunft vorzubereiten. Wie zum Beispiel mit der Photovoltaikanlage habe ich immer wieder eigene Ideen eingebracht, nicht zuletzt auch unser Kirchenlogo. Für mich war es immer wichtig, die Dinge nachvollziehbar für uns alle zu organisieren. Dialogpredigten bei Konfirmationen, Pilgertouren mit und ohne Motorrad, viele besondere Gottesdienste. Mit all diesen Dingen konnten wir und ich viel bewegen. Aber so etwas geht nicht jeden Sonntag. Es braucht auch die ritualisierten Abläufe eines ganz normalen Gottesdienstes, die  Ewigkeit transportieren. Wir sollten auch nicht versuchen, uns mit neuen Events gegenseitig zu überbieten.

Reinhard Golenia: Ich weiß, das magst Du nicht hören, aber dennoch, wir werden Dich vermissen. Ich selbst habe viel von Deinem Wirken mitnehmen können. Unsere Pilgertouren und auch die Männergottesdienste und Gespräche haben mir immer wieder neue Erkenntnisse und Aha-Erlebnisse zu meinen Glaubensfragen gebracht. Auf seinen Ruhestand soll man sich ja gut vorbereiten, gibt es schon konkrete Pläne für den neuen Lebensabschnitt?

Uwe Büttner: Ich bin seit zwei Jahren in einer Gesprächsgruppe der Landeskirche für Pastoren in den letzten Amtsjahren, die auf die Veränderungen des Lebens im Ruhestand vorbereitet. Ich möchte zunächst gerne ein wenig Abstand gewinnen und mich von den Anforderungen der Gemeinde lösen, die mich stark beansprucht haben. Ich hoffe, dass sich mir dann zeigt, was mir noch wichtig ist, wie Musik, zum Beispiel Gitarre und Singen, Malen und andere Dinge. Reisen mit dem Motorrad, die Gegend erkunden. Bogenschießen. Heimwerken, denn ich habe nicht zwei linke Hände. Es gibt also mehr als genug Interessen, so dass gewiss keine Langeweile aufkommen wird. Ich war gerne in Sehnde und wünsche der Gemeinde, dass sie eine lebendige Gemeinde unter Gottes Segen bleibt.

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