Fusion: Damit die Kirche im Dorf bleibt

Kirchengemeinden Dollbergen-Schwüblingsen, Hänigsen-Obershagen und Uetze-Katensen erläutern gemeinsamen Plan

Gemeinsamer Gottesdienst in der Festscheune. Foto: privat
Gemeinsamer Gottesdienst in der Festscheune. Foto: privat

Region Uetze. Eigentlich klingt es gar nicht so spektakulär: Zum Erntedankfest am 3. Oktober feierten die Kirchengemeinden Dollbergen-Schwüblingsen, Hänigsen-Obershagen und Uetze-Katensen einen gemeinsamen Gottesdienst am Irenensee. Die Festscheune war von den Uetzer Landfrauen festlich hergerichtet worden. Beteiligte aus allen drei Gemeinden gestalteten den Gottesdienst.

Doch schon in ihrer Begrüßung vor den rund 200 Teilnehmenden hob Pastorin Heidrun Kück hervor, dass es etwas Besonderes sei, diesen Gottesdienst gemeinsam zu feiern, zumal gleich drei Posaunenchöre im Verbund für den musikalischen Rahmen sorgten. Pastor Ulrich von Stuckrad-Barre sprach in seiner Predigt davon, dass das Erntedankfest den Blick dankbar ausweite auf die Talente, Fähigkeiten und Begabungen, die jede und jeder Einzelne in das Gemeindeleben und die Gemeinschaft einbringe.

Nach einer Pause, in der die Besucherinnen und Besucher Gelegenheit hatten, sich mit Bratwurst vom Grill und kühlen Getränken zu versorgen, eröffnete Kirchenvorsteherin Marianne Hackbart die Info-Veranstaltung, zu der die Kirchenvorstände der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Dollbergen-Schwüblingsen, Hänigsen-Obershagen und Uetze-Katensen gemeinsam geladen hatten, um über die Fusion der drei Kirchengemeinden zu informieren.

Kirchenvorsteher Uwe Hoffmann sagte: „Wir fusionieren, damit die Kirche im Dorf bleibt!“ Zwar gebe es gegenwärtig noch keinen Druck von Seiten der Kirchenleitung, aber die Zahlen sprächen für sich. „Im Schnitt haben alle drei Kirchengemeinden seit dem Jahr 2000 ein Viertel ihrer Mitglieder verloren.“ Dies sei, Hoffmann zufolge, kein regionales Problem, sondern ein Trend, der sich landeskirchenweit abzeichne.

Schon Mitte der 2020er Jahre werden weniger Mittel für kirchengemeindliche Aufgaben wie Gebäude-Unterhaltung oder Projektarbeiten zur Verfügung stehen. Zudem sei bereits jetzt spürbar, dass wir einen Personalmangel in der Kirche haben, da sich immer weniger junge Menschen dafür entschieden, Pastorin oder Diakon zu werden.

Kirchenvorsteher Uwe Hoffmann hob hervor, dass die drei Kirchengemeinden Kernfelder kirchlicher Arbeit bereits gemeinsam wahrnehmen und verwies u.a. auf den regionalen Gottesdienstplan und den Konfirmanden-Unterricht. Er sagte: „Projekte, wie die diakonische Flüchtlingshilfe, der Sozialfonds oder der Corona-Hilfsfonds könnten kirchlicherseits nicht von einer Gemeinde allein gestemmt werden, tragen aber immens dazu bei, für die Menschen vor Ort etwas zu erreichen.“

Der Zeitplan ist ambitioniert, denn schon zum 1. Januar 2023 soll die Fusion vollzogen sein. „Eine Fusion zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt uns die Möglichkeit, selbst zu steuern, wie wir die kirchliche Arbeit auch unter veränderten Bedingungen so gestalten können, dass möglichst viele Menschen erreicht werden“, sagte Pastor von Stuckrad-Barre, in der sich anschließenden Diskussion. Es gehöre mittlerweile zur Realität seiner Arbeit, Trauungen in Uetze, Beerdigungen in Dollbergen oder Silberhochzeiten in Schwüblingsen zu begleiten.

Obwohl einige Diskutanten auch Kritik und Sorge zu den Fusionsplänen äußerten, erntete das Vorhaben überwiegend Zustimmung unter den anwesenden Gemeindemitgliedern. „Wir haben nicht damit gerechnet, sofort alle Menschen zu überzeugen, freuen uns aber über die mehrheitlich positive Resonanz“, fasste Pastor Dr. Tibor Anca seine Eindrücke zusammen.

Nach der nun mehr erfolgten Auftaktveranstaltung soll in den kommenden Wochen auch ein Austausch in den einzelnen Kirchengemeinden stattfinden. „Die Entscheidung zur Fusion steht. Gerade deshalb ist es uns wichtig, Sorgen und Kritik zu hören, um sie im Fusions-Prozess berücksichtigen zu können“, sagte Claudia Fricke, die Vorsitzende des Kirchenvorstands Dollbergen-Schwüblingsen.

Zurück