Die Menschen anders sehen

Glaubenssache

Pfarrer Franz Kurth. Foto: privat
Pfarrer Franz Kurth. Foto: privat

Die Corona-Pandemie mit all ihren Auswirkungen hat uns als Menschen verändert. Wie das genau sein wird, wissen wir noch nicht. Das wird sich erst zeigen wenn das Virus überwunden ist und wir wieder „normal“ leben können. So wie Corona die Menschen verändert, so verändert sie auch die Kirche. Nicht nur, dass wir mit weniger Menschen Gottesdienst feiern, wir feiern sie auch anders, kein Gesang, Abstand zueinander, kein Friedensgruß, kaum mehr Begegnung nach den Gottesdiensten.

Aber es ist auch Neues aufgebrochen, neue Formen der Seelsorge sind entstanden. Durch viel Engagement und Kreativität versuchen Christen, andere zu erreichen, ob in den Seniorenheimen oder die Alleinstehenden Zuhause. Als Kirche mussten wir und haben wir dazugelernt und werden es sicher auch noch weiter tun müssen, selbst wenn die Pandemie vorüber ist. Wie viel dann „anders“ bleiben wird, können wir jetzt noch nicht sagen. Es gibt Theologen die sagen, dass sich Jesus im Evangelium verändert habe, manche sogar, dass er dazugelernt habe. Deutlich wird das im Johannes-Evangelium (Joh 4,5ff), wo Jesus die tiefe Sehnsucht der starken, samaritischen Frau am Jakobsbrunnen in Sychar spürt. Ihr Glaube bringt ihr letztendlich das Heil, das sie sich ersehnt.

Vielleicht müssen wir als Kirche – nicht nur wegen der Corona-Pandemie – die Menschen heute anders sehen. Die Zahl derer, die sich zum Glauben und zur Kirche bekennen nimmt stetig ab. Trotzdem gibt es in sehr vielen Menschen eine Sehnsucht, die sie oft nicht mit Glaube und Kirche in Verbindung bringen. Bei Taufeltern erlebe ich häufiger eine Dankbarkeit und Freude über das neue Leben, bei jungen Paaren den ehrlichen Willen und die Sehnsucht nach echter und verlässlicher Liebe, bei Trauernden die Hoffnung, dass mit dem Tod eben nicht alles „Aus“ ist. Ob und wie jemand glaubt, ob er in Gott sein Vertrauen setzt – das kann ich auf den ersten Blick gar nicht wissen. Das geht im Grunde nur Gott und den bzw. die Betreffende etwas an und entzieht sich meiner Urteilskraft. Und letztlich: Vielleicht bin ich eines Tages froh, dass Gottes Heilszusage mehr Menschen gilt, als ich mir vorstellen kann. Ihnen allen einen gesegneten Sonntag!

Pfarrer Franz Kurth
St. Nikolaus Burgdorf, St. Bernward Lehrte und St. Martin Hannover-Ost

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“

Die Kolumne erscheint jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.

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