Ferienzeit ist Reisezeit

Glaubenssache

Heidrun Golenia. Foto: privat
Heidrun Golenia. Foto: privat

Es ist mal wieder so weit. Die Ferien stehen vor der Tür, wie alle Jahre wieder. Aber Ferien 2020?

Das ist nicht wie alle Jahre wieder. Corona machte und macht so manche Urlaubsplanung zunichte. Wir konnten einen vor Monaten geplanten Inselurlaub nun doch antreten. Und da war eben vieles anders. Allein das Betreten der Fähre mit Abstand, die vielen Pfeile auf dem Boden, um die Gäste möglichst kontaktfrei durch das Schiff zu leiten. Um abends essen zu gehen, mussten wir lange vorher reservieren. Alle Schritte müssen gut überlegt sein. Ging man völlig sorglos in die Geschäfte, muss man gerade bei kleineren Läden die maximale Personenzahl beachten, nicht zu vergessen den Mund-Nasen-Schutz, unser aller Wegbegleiter in dieser Zeit, natürlich auch im Urlaub. Ich muss das nicht gut finden und hadere auch insgeheim mit manchen Regelungen, aber es ist offenbar notwendig zum Schutz aller. Übrigens halten die Möwen nichts vom Abstand-Halten. Sie haben uns heimtückisch von hinten überfallen und auf der Straße unsere leckeren Brötchen stibitzt.

Erstaunlich kreativ werden die Menschen, die ihre Restaurants endlich wieder öffnen dürfen, ihre Vorkehrungen beim Empfang der Gäste mit dem Desinfektionsmittel in der Hand, das Geleiten zum Tisch mit dem nötigen Abstand zu den Nachbarn und so weiter. Und es ist noch lange nicht alles möglich. Viele müssen immer noch warten, bis es weiter geht.

Ich stelle immer wieder fest, wie viel ich als vollkommen selbstverständlich hingenommen habe, das nun nicht mehr möglich ist.

Vielleicht ist es aber auch gerade gut, bei allen Problemen, die diese Krise ohne Frage mit sich bringt, dass wir einmal ins Nachdenken kommen. Es ist eben nicht alles selbstverständlich und wir müssen bei allem noch dankbar sein, wie gut es uns in diesem Land geht. Wir sind einfach in vieler Hinsicht verwöhnt, nicht alle, aber doch sehr viele.

Zudem stelle ich fest, dass es gerade auf die kleinen Dinge im Leben ankommt, und dass es der Natur gleich ist, ob die Corona-Krise die Menschen plagt. Der Frühling ist dennoch gekommen, die Blumen blühen trotzdem und die Vögel nisten und singen. In der Natur gibt es sogar Anzeichen von Erholung, auch die Luft in den Städten wird besser. Schade, dass wir keine Masken aufsetzen können, um die Erde zu retten. Diese Welt wurde uns geschenkt und es tut gut, sich darüber klar zu werden, dass wir gefordert sind, sie zu schützen. Ich habe die Hoffnung, dass diese Krise eine Chance ist, die wir alle nutzen sollten.

In einem neueren Kirchenlied heißt es doch:

Du hast uns Deine Welt geschenkt, den Himmel die Erde,
Du hast uns Deine Welt geschenkt, Herr wir danken Dir.

Lassen Sie uns auch für die kleinen Dinge im Leben dankbar sein, auch oder gerade in dieser Krisenzeit. Ich wünsche Ihnen bei allen Einschränkungen eine entspannte und erholsame Urlaubszeit und bleiben Sie behütet.

Heidrun Golenia
Vorsitzende des Kirchenvorstandes der Ev.-luth. Kirchengemeinde Sehnde

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“

Die Kolumne erscheint jeweils samstags im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.

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