In guter Gesellschaft

Glaubenssache

Pastor Steffen Lahmann. Foto: Simone Bürger
Pastor Steffen Lahmann. Foto: Simone Bürger

Hat man Sie schon mal als „Esel“ beschimpft ? Machen Sie sich nichts draus. Sie sind in guter Gesellschaft. Immerhin reitet Jesus am Palmsonntag auf einem Esel in Jerusalem ein.

Zugegeben: Ein Esel macht nicht so viel her wie ein edles Pferd. Er ist eher klein und robust. Ein Esel ist nicht der Schnellste, aber er hat Ausdauer und Kraft. Und die ihm nachgesagte Sturheit sollte man nicht mit Dummheit oder Bequemlichkeit gleichsetzen. Dem Esel fehlt schlichtweg der ausgeprägte Fluchtinstinkt der Pferde. Ein Esel bleibt stehen, um eine Situation abzuwägen. Nicht überhastet zu fliehen, ist überlebensnotwendig für ihn. Denn er stammt ursprünglich aus steinigen und steilen Gegenden und prüft besonnen, wohin er tritt. Deshalb ist ein Esel ein gefragter Lastenträger. Und auch, weil er seine Arbeit beharrlich macht, selbst wenn sie schwer ist. Ein Esel ist also absolut alltagstauglich.

Auf einem Esel zieht Jesus am Palmsonntag in Jerusalem ein. Wir sehen ihn auf seinem Weg. Und wir sehen schon weiter. Nach Golgatha. Auf das Kreuz. Und auf das leere Grab. Am Ostermorgen.

Aber vielleicht beginnt das ewige Leben schon dort, wo wir es riskieren, uns selbst zum Esel zu machen. In Gottes Namen. Dort, wo wir Christus zu den Menschen bringen. Wo wir denen, die Lasten haben, tragen helfen. Ganz alltäglich. Mit Kraft und Beharrlichkeit. Ausdauernd, besonnen und trittsicher. Und hin und wieder mit einer guten Portion Sturheit.

Und wenn man uns dann „Esel“ nennt, dann machen wir uns nichts daraus. Weil wir wissen: Wir sind damit in guter Gesellschaft.

Steffen Lahmann
Pastor der St.-Petri-Kirchengemeinde Hänigsen-Obershagen

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“

Die Kolumne erscheint jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.

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