Besondere Zeiten

Glaubenssache

Pfarrer Martin Karras. Foto: privat
Pfarrer Martin Karras. Foto: privat

Mit diesem Sonntag geht die Weihnachtszeit vorbei. In der katholischen Kirche feiern wir das Fest der Taufe des Herrn. Früher ging die Weihnachtszeit bis zum 2. Februar, dem Fest der „Darstellung des Herrn“. Das waren dann einige Wochen, in denen man das Weihnachtsgeheimnis der Menschwerdung Gottes im Stall zu Bethlehem lange Zeit intensiv nachwirken lassen konnte. Dann lohnte sich der Aufbau der Weihnachtsbäume und der kleinen und großen Krippendarstellungen.

Vielleicht ist ja wegen dieser Verkürzung die Adventszeit als Zeit des Feierns so wichtig geworden und die Weihnachtsbäume werden schon vor dem 1. Advent vielerorts aufgestellt. Und der Begriff „Vorweihnachtszeit“ der oft anstelle „Advent“ verwendet wird, hängt möglicherweise damit zusammen. Die besonderen Zeiten im Jahr haben sich verändert, aber irgendwie scheinen sie immer noch notwendig zu sein.

Der Mensch kommt wohl doch nicht nur mit dem Alltag aus, mit der Normalität. Das zeigt uns auch dieser Sonntag. Jesu Menschwerdung und Leben ist eben keine Normalität. Das Geschehen in Bethlehem hat die Welt verändert. Nicht nur, weil ein Kind geboren wurde, sondern weil Gott in diesem Kind geboren wurde. Eben das Außergewöhnliche kommt in die Normalität.

Und bei der Taufe Jesu geschieht das Ungewöhnliche in der Normalität. Johannes predigt die Umkehr im Zeichen der Taufe und Jesus, der Sohn Gottes, läßt sich taufen. Der „Außergewöhnliche“ solidarisiert sich mit den „Normalen“. Das Außergewöhnliche: Gott wird Mensch und das „Normale“: Gott ist bei den Menschen, geschieht. Es geschieht immer wieder. In besonderen Zeiten wie der Weihnachtszeit und in den normalen Zeiten des Alltags.

Wir brauchen diese Zeiten, Zeiten des gewöhnlichen und des ungewöhnlichen Lebens, um das je andere schätzen zu können.

Ich wünsche Ihnen viel Ungewohntes und Ungewöhnliches in der gewohnten Zeit und dem gewohnten Umfeld.

Martin Karras
Pfarrer der Pfarrgemeinde St. Nikolaus, Burgdorf

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“

Die Kolumne erscheint jeweils samstags im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen und Religionsgemeinschaften schreiben Beiträge aus ihren Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie zeitaktuell gerade beschäftigt.

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