Ein Fest mit mehreren Bedeutungen

Glaubenssache

Dr. Gábor Lengyel, Seniorrabbiner der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover. Foto: Stefan Heinze
Dr. Gábor Lengyel, Seniorrabbiner der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover. Foto: Stefan Heinze

Schawuot, das jüdische Wochenfest ist ein typisches Fest, welches im Laufe der historischen Perioden des Judentums, immer wieder einen anderen Schwerpunkt erhalten hat.

Ursprünglich, vor der Zerstörung des Ersten und Zweiten Tempels, war Schawuot vor allem das Fest der Erstlingsfrüchte und der Weizenernte. Darüber können wir einiges in der Tora nachlesen.

Nach der Tempelzerstörung um das Jahr 70 nach der Zeitrechnung mussten unsere weisen Rabbiner im Exil eine zusätzliche Bedeutung für das Fest finden. So haben sie in einem Talmud-Traktat erzählt, dass wir die Tora am Berg Sinai an diesem Tag erhielten.

Seitdem erinnert uns Schawuot an das besonders erhabene Ereignis, welches die Kinder Israels sieben Wochen nach ihrem Auszug aus Ägypten erlebten, als sie am Fuße des Berges Sinai lagerten. Dort hat Moses die Tora erhalten. Im Exil wurde also das Fest überwiegend als Erinnerung an die Übergabe der Tora gefeiert.

Ein von mir geschätzter Rabbiner in Israel sagt immer, Juden in der Diaspora können diese erez-israel bezogene landwirtschaftliche Feste kaum verstehen. Pessach, das Fest des Frühlings, in Europa schneit es noch häufig, Schawuot das Erntefest, in Europa gehen die Menschen noch mit Übergangsmänteln.   

Die Zionisten am Ende des 19. Jahrhunderts, haben wieder die Wichtigkeit des Bebauens Israels entdeckt und die landwirtschaftlichen Aspekte erneut in den Vordergrund gebracht. Zwar vollkommen a-religiös feierten sie in Europa und dann später in Palästina das landwirtschaftliche Fest gemäß der Tora.

Gábor Lengyel
Seniorrabbiner der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils samstags im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen und Religionsgemeinschaften schreiben Beiträge aus ihren Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie zeitaktuell gerade beschäftigt.

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