Ein Stolperstein im Kalender

Glaubenssache

Pastor Thorsten Leißer. Foto: H. Alberts
Pastor Thorsten Leißer. Foto: H. Alberts

Was für ein Datum! Der 9. November gilt als „Schicksalstag der Deutschen“. Viele bedeutende Ereignisse der deutschen Geschichte sind eng mit ihm verbunden: 1918 am Ende des Ersten Weltkrieges dankt der Kaiser ab und die erste deutsche „Republik“ wird ausgerufen. 1938 in der Nazizeit brannten überall im Land die Synagogen, jüdische Geschäfte wurden zerstört, zehntausende Menschen jüdischen Glaubens in Konzentrationslager verschleppt. Und 1989 kannte die friedliche Revolution in der DDR kein Halten mehr. Tausende strömten zu den innerdeutschen Grenzübergängen, es gab tränenreiches Wiedersehen getrennter Familien.

„Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“, wird Gott in Psalm 8 gefragt. Ja, was ist schon Besonderes an dieser Spezies, die es doch immer wieder schafft, auf einander loszugehen und andere auszugrenzen. Sind wir es wert, dass Gott unser gedenkt?

Wahrscheinlich schon. Und wahrscheinlich leitet sich davon unser Gedenken ab. Ein Beispiel dafür sind die Stolpersteine, die auch in Lehrte und Burgdorf zu finden sind: Sie erinnern an deportierte und ermordete jüdische Menschen vor den Häusern, in denen sie zuvor gelebt hatten. So wird das Gedenken zur Erinnerung, wie zerbrechlich das freiheitlich-demokratische Gefüge ist, damit sich das nicht wiederholt.

Solche Tage wie der 9. November prägen sich ein ins Geschichtsbewusstsein eines ganzen Landes. Sie sind wichtig für das Gedenken, also die Erinnerung an Vergangenes, um die Gegenwart zu verstehen und daraus für die Zukunft zu lernen.

Thorsten Leißer
Pastor der Ev.-luth. St.-Antonius-Gemeinde, Immensen

Stolpersteine  – hier an der Poststraße 1 in Burgdorf – erinnern an deportierte und ermordete jüdische Bürger. Foto: Stefan Heinze
Stolpersteine – hier an der Poststraße 1 in Burgdorf – erinnern an deportierte und ermordete jüdische Bürger. Foto: Stefan Heinze

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils samstags im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen und Religionsgemeinschaften schreiben Beiträge aus ihren Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie zeitaktuell gerade beschäftigt.

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