Evangelische Bischöfe begrüßen „Ehe für alle“

Eröffnet sich dadurch ein neuer Diskussionsprozess in der Kirche?

Foto: R_K_B_by_hochzeitsfotograf_pixelio.de
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Hannover/Braunschweig (epd). Evangelische Bischöfe aus Niedersachsen begrüßen eine mögliche „Ehe für alle“. „Menschen leben nicht nur in der Ehe zwischen Mann und Frau, sondern auch in anderen Beziehungsformen in Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Verantwortung miteinander“, sagte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister am Mittwoch.

Auch der braunschweigische Landesbischof Christoph Meyns betonte, die Kirche setze sich für den Abbau von Diskriminierungen ein. „Deswegen können wir das Bemühen des Staates unterstützen, homosexuelle Paare mit Paaren von Mann und Frau rechtlich gleichzustellen.“ Der Bundestag wird am Freitag über die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben abstimmen. (Für die Gesetzesvorlage stimmten heute nach Worten von Parlaments-
präsident Norbert Lammert 393 Abgeordnete bei 226 Gegenstimmen und vier Enthaltungen. Anm. der Internetredaktion)

Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen ermöglichen bisher Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare. Die Unterschiede zur kirchlichen Trauung sind dabei verschieden stark ausgeprägt. Auch ist es in der Regel den Pastorinnen und Pastoren freigestellt, ob sie die Segnung halten oder an eine andere Gemeinde abgeben wollen.

Die hannoversche Landeskirche stellt Meister zufolge eingetragene Lebenspartnerschaften genauso unter „Gottes Wort und Segen“ wie die Ehen zwischen Mann und Frau. In den zentralen Elementen wie einem gegenseitigen Treueversprechen oder dem Ringwechsel unterschieden sie sich nicht von einer Trauung.

Auch die oldenburgische und braunschweigische Kirche ermöglichen Segnungsfeiern. In Oldenburg sind nach einer auf einen Synodenbeschluss von 2004 zurückgehenden Handreichung aber zum Beispiel ein Trauversprechen und ein Ringtausch nicht vorgesehen. Auch in der braunschweigischen Kirche unterscheide sich die Andacht von einem offiziellen Trauungsgottesdienst, der auch im Kirchengesetz verankert sei, sagte Kirchensprecher Michael Strauß.

Dass die Änderung staatlicher Gesetze auch zu Veränderungen in der Kirche führt, hält Strauß für nicht ausgeschlossen. Grundsätzlich bedeute die Trennung von Staat und Kirche zwar, dass ein Einfluss auf kirchliche Gesetze nicht zwingend sei. Allerdings hätten die Kirchen ihre Haltung gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren bereits in den vergangenen Jahren verändert, sagte Strauß. „Aus meiner Sicht wird ein neuer Diskussionsprozess eröffnet.“ Auch der oldenburgische Kirchensprecher Hans-Werner Kögel hält erneute Diskussionen in der Synode seiner Landeskirche für möglich.

In der Bremischen Evangelischen Kirche und der Evangelisch-reformierten Kirche entscheiden die Gemeinden selbst, wie sie das Thema handhaben. In Bremen sind gleichgeschlechtliche Trauungen „weder erlaubt noch verboten“, sagte Kirchensprecherin Sabine Hatscher. In der bremischen Kirchenverfassung ist die sogenannte „Glaubens-, Lehr- und Gewissensfreiheit“ verankert, die es den Gemeinden ermöglicht, theologische, weltanschauliche oder pädagogische Fragen eigenständig zu regeln.

Auch bei den Reformierten entscheidet der Kirchenrat jeder einzelnen Gemeinde, ob gleichgeschlechtliche Paare gesegnet werden. Auf der kommenden Synode im Herbst solle über eine neue Trau-Agenda entschieden werden, sagte Kirchensprecher Ulf Preuß. Diese sehe unter anderem vor, keinen Unterschied mehr zwischen hetero- und homosexuellen Partnerschaften zu machen und Trauungen in das Kirchenbuch einzutragen. Es werde aber dabei bleiben, dass die Kirchengemeinde vor Ort entscheide. (8177/28.06.17)
epd lnb mir/cmo/jlk/sel bjs


Evangelische Kirche begrüßt Öffnung der Ehe für Homosexuelle

Hannover (epd). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) begrüßt die geplante Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften. „Die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau wird dadurch keineswegs geschmälert. Im Gegenteil - sie wird noch einmal unterstrichen“, erklärte der Rat der EKD am Mittwochabend in Hannover. Zur Frage des „rechtlichen Rahmens“ gebe es in den 20 evangelischen Landeskirchen indes „unterschiedliche Auffassungen, die auch weiterhin ihre Berechtigung haben werden“.
In den meisten Landeskirchen der EKD ist bereits eine öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Ehen möglich. Teils wurde sie einer Hochzeit zwischen Mann und Frau nahezu gleichgestellt. Die katholische Kirche indes lehnt die „Ehe für alle“ ab. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bekräftigte am Mittwoch die katholische Position, wonach die Ehe eine Verbindung zwischen Mann und Frau und prinzipiell offen für Kinder ist.

Am Mittwoch hatte der Rechtsausschuss des Bundestages entschieden, noch in dieser Woche über die „Ehe für alle“ im Plenum des Parlaments in Berlin abzustimmen. Der Rechtsausschuss empfahl die Öffnung der Ehe, die bislang Beziehungen von Mann und Frau vorbehalten ist. Nachdem die CDU-Vorsitzende, Bundeskanzlerin Angela Merkel, zu Wochenbeginn erklärt hatte, ihren Parteikollegen das Abstimmungsverhalten im Sinne einer Gewissensentscheidung freizustellen, war drei Monate vor der Bundestagswahl überraschend noch einmal Bewegung in die Debatte gekommen. Eine Zustimmung des Parlaments zur sogenannten „Ehe für alle“ gilt als sicher. (Seit heute beschlossen. Anm. der Internetredaktion)

Aus Sicht der EKD seien „Vertrauen, Verlässlichkeit und die Übernahme von Verantwortung in der Gestaltung menschlicher Beziehungen von zentraler Bedeutung“, heißt es in der Erklärung des Rates. Die Ehe biete dafür beste Voraussetzung und sei deshalb ein Zukunftsmodell. Die EKD begrüße, dass auch für Homosexuelle, die den Wunsch nach einer lebenslang verbindlichen Partnerschaft haben, „der rechtliche Raum vollständig geöffnet wird, in dem Vertrauen, Verlässlichkeit und Verantwortung durch gesetzliche Regelungen geschützt und unterstützt werden“. (9058/29.06.17) epd lnb bas mig

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