Mit den Augen eines Kindes

Glaubenssache

Gabriele Müller, Leiterin der Kindertagesstätte Pusteblume. Foto: Dethard Hilbig
Gabriele Müller, Leiterin der Kindertagesstätte Pusteblume. Foto: Dethard Hilbig

Man darf nicht verlernen, die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen. (Henri Matisse)

Wenn ich in den Garten gehe und sehe den Löwenzahn blühen, ist es für mich auch eine Menge Unkraut, das meinen Rasen überwuchert. – Kinder sehen einen Blumenstrauß für ihre Mama und lieben es die weißen Fallschirmchen der Pusteblume in die Luft zu pusten.

Wenn ich Musik höre, die ich mag, fällt mir auch ein, dass ich die Töne beim Singen nicht richtig treffe und zweifle, dass ich das nötige Taktgefühl habe. Also sitze ich da und lausche der Musik. – Kinder fühlen den Rhythmus und bewegen sich fröhlich dazu. Sie singen die Texte mit und wenn sie die Worte nicht kennen oder verstehen, dann dichten sie und denken sich eigene Worte aus.

Wenn ich bei heftigem Wind spazieren gehe und den Wind in meinem Gesicht spüre, schütze ich mich dagegen. Ich denke daran, dass der Wind meine Haare zerzaust und so meine Frisur durcheinander bringt. Mein Vorwärtskommen wird behindert. – Kinder breiten die Arme aus, schließen die Augen und lassen sich vom Wind treiben bis sie lachend zu Boden fallen.

Wenn ich eine riesige Matschpfütze sehe, gehe ich um sie herum. Ich denke an nasse Schuhe, verschmutzte Kleidung und den Dreck, der so ins Haus geschleppt wird. – Kinder springen hinein und entdecken Dämme, die man darin bauen kann und Flüsse, auf denen man Papierboote auf die Reise schickt.

Wenn ich bete, sage ich "Herr", "Gott" oder "Allmächtiger" und mein Anliegen: „Bitte achte darauf!“ oder „Hilf mir dabei!“ – Kinder sagen: „Hallo, lieber Gott. Das war ein toller Tag heute. Ich hatte so viel Spaß, danke!“

Da stellt sich für uns doch die Frage, ob uns die Kinder geschenkt sind, damit wir sie lehren – oder damit wir von Ihnen lernen?

Matthäus-Evangelium, Kapitel 18, Verse 3 bis 5:

Wahrlich ich sage euch „ Wenn Ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.

Gabriele Müller
Leiterin der Kindertagesstätte Pusteblume

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils samstags im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen und Religionsgemeinschaften schreiben Beiträge aus ihren Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie zeitaktuell gerade beschäftigt.

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