Gott richtet mich auf

Glaubenssache

Pfarrer Franz Kurth. Foto: privat
Pfarrer Franz Kurth. Foto: privat

Die biblischen Texte am Ende eines jeden Kirchenjahres drehen sich ja bekanntlich besonders um das Endgericht und die Wiederkunft Jesu Christi. Für viele Menschen sind es bedrohliche Bilder, für manche aber auch tröstliche. Es geht um Recht und Gerechtigkeit, um Gericht, Belohnung und Strafe.

Es ist verständlich, wenn mit dem Begriff "Gericht" Ängste verbunden sind, vor allem vor dem Hintergrund, dass für lange Zeit insbesondere der „strenge Richter aller Sünden“ das Gottesbild der Menschen geprägt hat. Aber es gibt auch noch andere Gerichtsbilder.

Mein Lieblingsbild vom Gericht ist kein biblisches, doch es nimmt die biblischen Gedanken des Richtens und Aufrichtens auf. Als Hobbygärtner in meinem Pfarrgarten, muss ich manchmal auch Unkraut jäten. Dann sitze ich in der Hocke, also in mich verkrümmt und sehe nur den Quadratmeter Boden der vor mir liegt. Hin und wieder wird das so schmerzhaft, dass ich mich aufrichten muss. Das allerdings schmerzte erst recht, bis ich dann wieder gerade stehen kann und auch sehe, was noch vor mir liegt.

Und so ähnlich stelle ich mir das letzte Gericht vor: Aus meiner Ich-Verkrümmung, sozusagen aus meiner eigenen Nabelschau richtet Gott mich auf. So kann ich gerade vor ihm stehen, ihn und die Menschen schauen wie sie wirklich sind. Und wie im Bild des Jätens des Unkrauts hat das mit Schmerzen zu tun, je nachdem wie stark ich eben in mich verkrümmt war. Ein tröstliches Bild, trotz des Schmerzes, denn es zählt das Ergebnis: Gott will uns als „aufgerichtete“, als aufrichtige Menschen.

Franz Kurth
Pfarrer in St. Bernward mit St. Maria Sehnde und St. Josef Bolzum

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils samstags im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen und Religionsgemeinschaften schreiben Beiträge aus ihren Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie zeitaktuell gerade beschäftigt.

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