Identität in multi-religiöser Gesellschaft

Glaubenssache

Dr. Gábor Lengyel, Seniorrabbiner der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover. Foto: Heinze
Dr. Gábor Lengyel, Seniorrabbiner der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover. Foto: Heinze

Der Seniorrabbiner der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover, Dr. Gábor Lengyel, legt den Tora-Text "Das Leben von Sarah" (hebräisch: Chajei Sarah), Genesis, Kapitel 23, Vers 1, bis Kapitel 25, Vers 18, aus:

Ich möchte gerne einen besonderen Aspekt in der heutigen Lesung aus der Tora, herausheben: nämlich die Suche nach einer Frau. Wir lesen Awrahams Anweisung an seinen Diener: „Du solltest keine Frau für meinen Sohn von den Töchtern des kanaanitischen Volkes nehmen.“

Hier sehen wir ein erstes Anzeichen für die starken Vorbehalte des Judentums gegenüber gemischten Ehen. Es ging wahrscheinlich dabei um Religion und Familientradition, nicht um ethnische Reinheit. Die Bibel lehnt die Ehe eines Juden mit einem Nichtjuden ab.

Soweit die Lehre des Judentums.

Andererseits: Wir leben heute in einer multikulturellen und multi-religiösen Gesellschaft. Viele Juden sind assimiliert und fühlen sich in der säkularen Gesellschaft, sehr wohl, übrigens auch in Israel. Warum soll es also eine Tragödie sein, wenn ein jüdischer Mann eine nicht-jüdische Frau, oder eine jüdische Frau einen nicht-jüdischen Mann heiraten will?

Die jüdische Orthodoxie sieht in der Mischehe eine Katastrophe.

Bei der Reformbewegung gibt es sehr divergierende Positionen. Manche Reformrabbiner sehen in den Mischehen auch eine große Gefahr fürs Überleben des Judentums, andere zelebrieren sogar Ehen zwischen Juden und Nichtjuden unter bestimmten Konditionen.

Jeder von uns Juden hat eine andere jüdische Identität. Ich, als Schoa-Überlebender, mit tiefem jüdischem Hintergrund, kann und will auch nicht mit erhobenem Zeigefinger die einzige Wahrheit predigen.

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils samstags im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen und Religionsgemeinschaften schreiben Beiträge aus ihren Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie zeitaktuell gerade beschäftigt.

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