Kirchengemeinde tritt für Demokratie ein

Vortragsreihe über den Theologen Paul Althaus

Paul Althaus. Repro: privat
Paul Althaus. Repro: privat

Die Kirchengemeine Hängisen-Obershagen lädt zu einer Vortragsreihe über den Theologen Paul Althaus ein. Der 1888 in Obershagen geborene Althaus hatte die Machtergreifung der Nationalsozialisten befürwortet, erkannte dann aber bald seinen Irrtum. Die Veranstaltungsreihe in St. Nikolai, Obershagen, trägt den Titel

Zurückblicken um die Zukunft zu gewinnen - Paul Althaus.

Das sind die Vorträge:

Mittwoch, 30. Januar, 19 Uhr
Zwischen Arierparagraf und Euthanasie - Paul Althaus im Jahr 1933
Pastor Ulrich von Stuckrad-Barre

Mittwoch 6. Februar, 19 Uhr
Paul Althaus und seine Haltung zum Krieg
Prof. Dr. Johann-Christoph Emmelius

Mittwoch, 13. Februar, 19 Uhr
Gott in der Natur?
Die Ur-Offenbarung bei Paul Althaus
Prof. Dr. Lukas Ohly

Alle drei Vorträge finden statt in der St.-Nicolai-Kirche, Obershagen. Im Anschluss an die Vorträge lädt die Gemeinde zu Gesprächen und Begegnungen ein.

Lernen aus den Fehlern der Großväter und Urgroßväter

Erinnerung ist wichtig. Für die Gegenwart. Damit wir und unsere Kinder und Enkelkinder in Frieden und Freiheit leben können. Unsere freie Gesellschaft, unser Rechtsstaat: Wir können sagen, was wir denken und glauben. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Glaubensfreiheit sind durch unser Grundgesetz garantiert. Das war nicht immer so. Es ist nicht selbstverständlich.

1933 wurde die Freiheit abgeschafft in unserem Land. Als Demokraten eingesperrt wurden, als zum Boykott jüdischer Geschäfte aufgerufen wurde, als Andersdenkende ins Exil oder in die innere Emigration gehen mussten, da hat Kirche geschwiegen. Sie hat die Machtergreifung der Nationalsozialisten sogar begrüßt. Nur Einzelne hatten den Mut, zu widersprechen.

Althaus war einer von denen, die die Machtergreifung der Nationalsozialisten begrüßten und auch theologisch begründeten. Noch während des Dritten Reiches erkannte er, welch ein verbrecherisches System dort entstanden war und wie sehr er sich getäuscht hatte. Am Beispiel von Paul Althaus zeigt sich, dass ein im Christentum verwurzelter, theologisch und historisch gebildeter Mensch nicht davor geschützt war, die politische Situation falsch einzuschätzen. Sein Beispiel zeigt auch, wie Kirche und Theologie einen Beitrag zur Stabilisierung des Nationalsozialismus geleistet haben.

Ich will nicht richten über meine Großväter und Urgroßväter. Wer weiß denn, wie ich in ihrer Situation gehandelt hätte? Aber ich will lernen aus ihren Fehlern. In drei Vorträgen in der St. Nicolai-Kirche in Obershagen wollen wir uns mit Paul Althaus beschäftigen.

Ich lebe in einem freien Land. Froh und dankbar bin ich darüber. Als Pastor und Theologe will ich einen Beitrag dazu leisten, dass es so bleibt. Zum Wesen der christlichen Gemeinde soll es gehören, dass sie für die Demokratie eintritt.

"Der Herr ist der Geist. Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit."
(Neues Testament, 2. Brief des Apostels Paulus an die Korinther, Kapitel 3, Vers 17)

Pastor Ulrich von Stuckrad-Barre

Ulrich von Stuckrad-Barre referiert über "Paul Althaus im Jahr 1933"

Pastor Ulrich von Stuckrad-Barre. Foto: privat
Pastor Ulrich von Stuckrad-Barre. Foto: privat

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