Mut neu anzufangen

Glaubenssache

Damaris Frehrking ist Pastorin in Sehnde in der Ev.-luth. Kirchengemeinde Zum Heilgen Kreuz. Foto: Privat
Damaris Frehrking ist Pastorin in Sehnde in der Ev.-luth. Kirchengemeinde Zum Heilgen Kreuz. Foto: Privat

Das neue Jahr ist noch jung und ich denke am Anfang eines Jahres gern über Neuanfänge nach. Viele Abläufe in unserem Leben verlaufen routiniert. Das kann gut sein, manchmal braucht es aber auch einen Aufbruch aus dem Gewohnten, eine neue Sichtweise, einen Neuanfang eben. Neuanfänge brauchen Mut, Ehrlichkeit und Vertrauen:

Der alte Mann ist enttäuscht. Der Besuch bei seinem Sohn Thomas war mal wieder gründlich danebengegangen. Thomas hatte ihm vorgeworfen, den Rasen zu kurz gemäht zu haben. Dann war er eilig ins Fitnessstudio aufgebrochen.

Wieder zuhause deckt der Alte für sich allein den Tisch. „Es gibt keinen Platz mehr für mich!“, denkt er. „Alles muss schnell gehen. Muss mein Sterben jetzt auch schnell gehen?“ Plötzlich richtet er sich auf und greift zum Telefon.

Er strafft sich und holt tief Luft. „Ich bin dein Vater!“, beginnt er, nachdem Thomas abgenommen hat, „und ich habe nicht alles richtig gemacht. Aber ich war immer auf deiner Seite. Wenn ich bei euch bin, möchte ich, dass wir uns anständig begrüßen. Ich möchte, dass du dich bedankst, wenn ich euch helfe. Ich erwarte, dass du auch mal fragst, wie es mir geht, denn ich vermisse eure Mutter. Ich fühle mich manchmal so überflüssig!“ Er seufzt und lauscht mit klopfendem Herzen in die Stille. Nach einer Weile sagt Thomas:

„Ok, Papa, ich will mich bessern. Aber du kannst dich auch etwas „erneuern“: Für den ersten Schritt in eine bessere Kommunikation bringe ich dir morgen ein Handy mit!“ Sie lachen. Der Alte legt erleichtert auf.

Es muss nicht alles so bleiben wie es ist. Man kann immer einen Neubeginn wagen. Es lohnt sich!

Damaris Frehrking ist Pastorin in Sehnde
in der Ev.-luth. Kirchengemeinde Zum Heilgen Kreuz

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils samstags im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen und Religionsgemeinschaften schreiben Beiträge aus ihren Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie zeitaktuell gerade beschäftigt.

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