Nähme ich Flügel der Morgenröte

Glaubenssache

Pastorin Annabell Demera, Ev.-luth. St. Paulusgemeinde Burgdorf. Foto: Demera
Pastorin Annabell Demera, Ev.-luth. St. Paulusgemeinde Burgdorf. Foto: Demera

Meine Fahrradtaschen sind gepackt. In der einen der Schlafsack, ein Handtuch und eine Zahnbürste. In der anderen mein Zelt, eine Isomatte und etwas Proviant. Dazu noch ein uraltes Gebetswort aus den Psalmen der hebräischen Bibel, das ich mitnehmen möchte: „Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“ (Psalm 139,9-10)

Ich fahre los. Entferne mich langsam von zu Hause. Während ich fahre, sage ich dieses uralte Psalmwort leise vor mich hin. Ganz langsam werden aus den fremden Worten meine eigenen. Das Gebetswort entfaltet seine Kraft. Ich sehe einen grauweißen Wolkenteppich, den die aufgehende Sonne von unten bescheint und in ein buntes Wolkenmeer verwandelt. Wenn ich genau hinsehe, erkenne ich die Silhouetten der Vögel. Die mit der Kraft ihrer Flügel hoch aufsteigen und das Wolkenmeer durchqueren.

Wohin ich auch fahre, wie weit ich mich auch von Zuhause entferne, Gott geht mit mir und ist mir immer schon voraus. Auch dann, wenn ich mich verfahre oder in eine Sackgasse gerate und wieder umkehren muss. Er birgt mich und hält mich. Selbst wenn ich mich von ihm entfernte, wenn mir mein Glaube fremd vorkäme und ich an ihm zweifeln würde, selbst dann würde Gott mich noch halten. Mit seinen behutsamen Händen.

Das Sommerwetter weckt in mir die Sehnsucht nach Weite, treibt mich nach draußen in die Natur. Ich wünsche Ihnen farbenfrohe Erfahrungen der Nähe Gottes in diesem Sommer, wo auch immer Sie ihm begegnen!

Ihre Pastorin Annabell Demera
Ev.-luth. St. Paulusgemeinde Burgdorf

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils samstags im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen und Religionsgemeinschaften schreiben Beiträge aus ihren Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie zeitaktuell gerade beschäftigt.

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