Neue Wege

Glaubenssache

Volkmar Günther, Pastor der Landeskirchlichen Gemeinschaft. Foto: Stefan Heinze
Volkmar Günther, Pastor der Landeskirchlichen Gemeinschaft. Foto: Stefan Heinze

"Zum Glück ist es ist noch einmal gut gegangen", dachte ich, als der Mopedfahrer quer an mir vorbeirauschte, während ich die Hauptstraße mit meinem Auto überquerte. Beinah hätte ich ihn übersehen und das hätte erschreckend schlimm ausgehen können.

Wer weiß, wie viele solcher „Beinah-Unfälle“ tagtäglich auf unseren Straßen passieren. Niemand zählt sie und jeder ist bei glimpflichem Ausgang froh, wenn er ohne Katastrophe davon gekommen ist.

Manchmal wird einem in solchen Schrecksekunden bewusst, wie gefährlich das Leben sein kann, nicht nur im Straßenverkehr, sondern grundsätzlich. Von daher gibt es Leute, die leben in einer permanenten Anspannung immer darauf wartend, dass irgendwann die große Katastrophe hereinbricht. Es ist die Angst vor dem Super-GAU, der schlimmen Krankheit, dem Zerbruch der Familie oder dem Versagen im Beruf. Leben an der Kante, immer mit der Angst abzustürzen. Angesichts der zahlreichen kleineren und größeren Katastrophen um uns herum scheint eine solche Angst ja auch nicht unbegründet.

Klar, leben in dieser Welt ist riskant und bedroht. Aber Gott will nicht die Katastrophe, nicht den Absturz, er ergötzt sich nicht am Tod. Vielmehr möchte sich Gott in solchen Situationen besonders uns mitteilen. Der König David formuliert das in einem seiner Psalmen sehr eindrücklich: „Der Herr ist denen nah, die verzweifelt sind, und rettet diejenigen, die alle Hoffnung verloren haben“, Psalm 34, Vers 19.

Sollten wir gerade an der Kante oder im Katastrophenfall leben müssen, dann lädt uns Gott in besonderer Weise ein, zu ihm zu gehen, mit unserer Angst und Zerbrechlichkeit. Bei ihm werden sich neue Wege auftun, sogar da, wo es sich um den letzten Weg handeln könnte, jener, der in seine Herrlichkeit hinein führt.

Volkmar Günther,
Pastor der Landeskirchlichen Gemeinschaft, Burgdorf

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“

Die Kolumne erscheint jeweils samstags im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen und Religionsgemeinschaften schreiben Beiträge aus ihren Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie zeitaktuell gerade beschäftigt.

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