Palmsonntag: Der andere Weg beginnt

Glaubenssache

Steffen Lahmann. Foto: Simone Bürger
Steffen Lahmann. Foto: Simone Bürger

In Jerusalem wimmelt es von Menschen. Das Passahfest steht bevor. Es erinnert an den Auszug Israels aus Ägypten, an den Weg aus der Knechtschaft in die Freiheit. Die Stimmung ist angespannt. Es gibt Anzeichen, dass es zum Aufstand kommt bei diesem Fest. Denn die Römer halten das Land besetzt. Freiheit sieht anders aus.

Wenn der Kampf losbricht, kann es nur ein Entweder-oder geben. Und viele fragen sich, auf welcher Seite Jesus stehen wird.

Aber Jesus lässt sich nicht ein auf das Entweder-oder. Er kommt auf einem Esel in die Stadt. Plötzlich sehen alle, was schon der Prophet Sacharja gesehen hat: Den Friedenskönig, der auf einem Esel reitet. (Sacharja-Buch der Hebräischen Bibel, Kapitel 9, Vers 9f).

Denn wer auf einem Esel reitet, ist nicht zum Kampf gewappnet. Wer im Zugehen auf einen Konflikt das hohe Ross stehen lässt und sich auf einen Esel setzt, verhält sich anders als erwartet. Und er gibt damit auch allen anderen die Chance, sich anders zu verhalten: aufrichtig, zugänglich, friedlich.

Dass Jesus Macht und Herrschaft, Leiden und Tod durch Liebe und Hingabe überwindet, bleibt bis heute erstaunlich. Jesus geht diesen anderen, unerwarteten Weg. Denn Gott geht häufig andere Wege als wir erwarten, um sein Volk aus der Knechtschaft in die Freiheit zu führen. Das bedenken wir zu Palmsonntag, Karfreitag und Ostern. Aber oft beginnt dieser Weg, wo auch wir bereit sind, vom hohen Ross zu steigen und in unseren Konflikten aufrichtig, zugänglich und friedlich miteinander umzugehen, um uns und den Anderen die Chance zu geben, anders zu handeln als erwartet.

Steffen Lahmann,
Pastor der St.-Petri Kirchengemeinde, Hänigsen-Obershagen

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“

Die Kolumne erscheint jeweils samstags im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen und Religionsgemeinschaften schreiben Beiträge aus ihren Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie zeitaktuell gerade beschäftigt.

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