Schubert-Lieder neu interpretiert

„Winterreise“ wird zu einem anrührenden Hörgenuss

Bariton Sven Erdmann (links) und Akkordeonist Manolis Stagakis. Foto: privat
Bariton Sven Erdmann (links) und Akkordeonist Manolis Stagakis. Foto: privat

Es ist keine gewöhnliche Aufführung, die der Bariton Sven Erdmann und sein Begleiter Manolis Stagakis – beide aus Hannover – den Konzertbesuchern präsentieren. Denn der Sänger wird nicht, wie es vom Komponisten vorgesehen ist, auf dem „Pianoforte“ begleitet. Manolis Stagakis spielt den Klavierpart statt dessen auf dem Bajan, einem Konzert-Knopfakkordeon.

Zu hören ist die andersartige Interpretation von Schuberts "Winterreise" am

Sonntag, 3. Februar, in der
Barockkirche zu Ilten.
Beginn: 18 Uhr
.

Und am

Sonntag, 10. Februar, in der
Matthäuskirche, Lehrte.
Beginn: 17 Uhr
.

Für die Barockkirche in Ilten ist die Kombination von Gesang und Bajan eine besonders glückliche Fügung. Weil dort weder Flügel noch Klavier Platz finden, wäre eine klassische „Winterreise“-Aufführung gar nicht möglich.

Die Zuhörer erleben mit der besonderen Kombination von Gesang und Konzert-Knopfakkordeon eine ganz neue Fülle an Klangfarben und eine enorm differenzierte Dynamik, ohne dass das Werk in seiner Komposition und seinem Ablauf verändert wird. Schuberts „Winterreise“ ist technisch und interpretatorisch eine Herausforderung für Sänger und Begleitinstrument. Das Bajan wird auch den Zuhörern einen neuen emotionalen Zugang zu dem Liederzyklus öffnen.

Inhaltlich beschreibt der Liederzyklus „Die Winterreise“ eine gescheiterte Liebe und ihre Folgen. Der Enttäuschte verlässt seine vergebens Angebetete im Winter bei Nacht und Nebel. Die Stationen seiner Wanderung, vom Lyriker Wilhelm Müller 1826 in 24 Gedichte gefasst und von Schubert ein Jahr später vertont, entfalten alle Stimmungen von überschwänglicher Freude bis zu hoffnungsloser Verzweiflung. Häufige Wechsel von Dur und Moll verdeutlichen die emotionale Berg- und Talfahrt. Die melancholischen Klangfarben des Bajan verstärken dieses Erlebnis eindrücklicher, als es wohl ein Klavier je könnte.

Der „Winterreise“ wird auch eine politische Dimension zugesprochen: Als Ausdruck zunehmender Unzufriedenheit vieler Interlektueller im frühen 19. Jahrhundert mit der Ära der Restauration. Nach dem Wiener Kongress waren die Ideen der französischen Revolution und die aufgekeimten Hoffnungen auf größere Liberalität von der Obrigkeit schnell zunichte gemacht.

Der Eintritt ist bei beiden Konzerten frei. Am Ausgang wird um eine Spende gebeten.

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