Von Niedersachsen nach Auschwitz

Ausstellung im Antikriegshaus informiert über Deportation der Sinti und Roma

Blick in die Ausstellung. Foto: Angelika Schmidt
Blick in die Ausstellung. Foto: Angelika Schmidt

Anlässlich des Shoa-Gedenktages wurde jetzt im Antikriegshaus Sievershausen die Ausstellung „Von Niedersachsen nach Auschwitz“ über den Genozid an den deutschen Sinti und Roma eröffnet. Boris Erchenbrecher von der „Beratungsstelle für Sinti und Roma e.V.“ führte in die von ihm erarbeitete Ausstellung ein. In seinem Eröffnungsvortrag berichtete er über die rassistische Verfolgung teilweise seit Jahrhunderten in Deutschland lebender Familien durch das NS-Regime. Betroffen lauschten die Besucherinnen und Besucher den Schilderungen über die Opfer von „rassehygienischen Forschungen“ und den ungeheuerlichen „Experimenten“ des Doktor Mengele. Die Präsidentin des Antikriegshauses Gisela Fähndrich eröffnete die Schau.

In der umfangreichen Ausstellung wird der Weg von Sinti und Roma aus Hannover, Braunschweig und Hildesheim nach Auschwitz nachgezeichnet. Viele, die das Vernichtungslager überlebten, wurden gegen Ende des Krieges zur Zwangsarbeit nach Mittelbau-Dora verschleppt, fanden den Tod in den Konzentrationslagern Buchenwald und Ravensbrück oder gelangten nach Bergen Belsen als letztem Ort des Deportationsweges vieler Sinti und Roma.

„Von Niedersachsen nach Auschwitz“ blickt zurück und zeigt Sinti und Roma als Opfer einer Jahrhunderte währenden Diskriminierung und politisch verbrämter Menschenfeindlichkeit. Boris Erchenbrecher machte, ohne auf parteipolitische Auffälligkeiten einzugehen, in seinem Vortrag aber deutlich, dass dieses Problem fortbesteht und auch in der Gegenwart gesellschaftlicher Aufmerksamkeit bedarf.

Die Ausstellung ist im Antikriegshaus, Kirchweg 4A
, 31275 Lehrte-Sievershausen, 
bis Ende Februar zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags und freitags von 10 bis 17 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter 05175/5738.

Mehr Informationen zum Antikriegshaus im Friedens- und Nagelkreuzzentrum Sievershausen:
https://www.kirchenkreis-burgdorf.de/antikriegshaus.html.

Präsentation wurde aktualisiert

Die Ausstellung „Aus Niedersachsen nach Auschwitz“ wurde anlässlich des 60. Jahrestages der Deportation vieler Sinti und Roma aus dem Gebiet des heutigen Niedersachsen erarbeitet und im März 2003 im Niedersächsischen Landtag eröffnet. Seitdem ist sie als Wanderausstellung an vielen Orten des Landes – in Schulen, Rathäusern und anderen öffentlichen Stätten – gezeigt und von Tausenden von Menschen besucht worden.

In ihr werden die Ausgrenzung und Verfolgung der Sinti und Roma vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert thematisiert – mit dem Schwerpunkt in der Zeit des Nationalsozialismus. Nach nunmehr fünfzehn Jahren wurde die Ausstellung einer kompletten Überarbeitung unterzogen. Neben einer neuen grafischen Gestaltung wurden neue Forschungsergebnisse eingearbeitet und einige thematische Tafeln hinzugefügt.

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