Sprengel unterstützt jüdische Gemeinden

Übernahme der Kosten für Sicherheitsmaßnahmen in einem Monat

Der Sprengel Hannover leistet einen Beitrag zum Schutz der jüdischen Gottesdienste. Foto: Oleg Ivanov © 123RF.com
Der Sprengel Hannover leistet einen Beitrag zum Schutz der jüdischen Gottesdienste. Foto: Oleg Ivanov © 123RF.com

Der Sprengel Hannover unterstützt die fünf jüdischen Gemeinden, die im Gebiet des hannoverschen Kirchenbezirks liegen, bei deren Kosten für Sicherheitsmaßnahmen jeweils mit einem Betrag in Höhe von 3.500 Euro. Die Landessuperintendentin Dr. Petra Bahr begründet die Förderung anlässlich der jüngsten Vorkommnisse in Halle: „Zum Gottesdienst durch eine Sicherheitsschleuse? Konfirmandenunterricht unter Polizeischutz? Drohungen, die zur Tagespost gehören? In der Kirche können wir uns das hierzulande nicht vorstellen. Für die jüdischen Gemeinden ist das Alltag. Mit einer kleinen symbolischen Geste wollen wir zumindest etwas Erleichterung schaffen und uns selbst zur praktischen Solidarität verpflichten. Darauf kommt es an. Als Christinnen und Christen liegt uns der Schutz jüdischer Gottesdienste am Herzen.“, erklärt Regionalbischöfin Dr. Petra Bahr.

„Die finanzielle Unterstützung entspricht in etwa der Kosten für den Wachdienst eines Monats, der die Veranstaltungen in unserer Synagoge sichert.“, setzt Ingrid Wettberg, Vorsitzende der liberalen jüdischen Gemeinde Hannover, den Betrag ins Verhältnis. „Wir freuen uns sehr über das Mitgefühl und die daraus resultierende Gabe. Die Maßnahmen zur Sicherung unseres Gebäudes sind eine fortwährende Aufgabe, die mit hohen Kosten verbunden ist.“, erklärt Rabbiner Benjamin Wolff vom jüdischen Zentrum Chabad Lubawitsch in Hannover.

Regionalbischöfin Bahr hat die finanzielle Unterstützung gemeinsam mit den Superintendentinnen und Superintendenten der neun Kirchenkreise im Sprengel auf den Weg gebracht. „Es ging uns um konkrete Hilfe bei einem aktuellen Problem, das uns alle angehen sollte.“, so Bahr. Der Sprengel Hannover unterstützt die Jüdische Gemeinde Hannover, die Liberale Jüdische Gemeinde Hannover, das Jüdische Zentrum Chabad Lubawitsch, das Jüdisch-Bucharisch-Sefardische Zentrum Hannover sowie die Jüdische Kultusgemeinde im Landkreis Schaumburg in Bad Nenndorf.

Rat der Religionen ruft zum "Ring der Soidarität" auf

Der versuchte Anschlag auf die Synagoge in Halle am Jom Kippur erschüttert viele Menschen in Hannover. Der Rat der Religionen in Hannover will gemeinsam mit der Stadtgesellschaft ein Zeichen setzen gegen Antisemitismus und Rassismus für eine tolerante und friedliche Gesellschaft.

Mit einem Ring der Solidarität vor drei Synagogen in Hannover am Freitag, 8. November 2019, ruft der Rat der Religionen unter dem Motto „füreinander einstehen“ zur Solidarität mit den Religionsgemeinschaften in Hannover auf. Wir laden alle Bürgerinnen und Bürger in Hannover ein, sich auf den Plätzen vor den Synagogen zu versammeln, um symbolisch Schutz zu bieten. Kerzen werden als Zeichen des Friedens und der Verbundenheit vor Ort verteilt und entzündet.

Mit Entsetzen und Zorn über die Brutalität und Menschenverachtung stehen wir vor einer neuen Herausforderung. Wir müssen gemeinsam wachsam sein und entschlossen gegensteuern.

Der Rat der Religionen in Hannover

Die Uhrzeiten und Orte für die Ringe der Solidarität finden Sie hier:
https://www.kirche-hannover.de/presse/2019/q4_2019/Stadtkirchenverband

Superintendentin Sabine Preuschoff: "Menschenwürde ist unteilbar"

Superintendentin Sabine Preuschoff. Foto: Dethard Hilbig
Superintendentin Sabine Preuschoff. Foto: Dethard Hilbig

„Es ist erschütternd und beschämend, dass es heute in Deutschland überhaupt notwendig ist, die Gebetshäuser und Gottesdienste unserer jüdischen Schwestern und Brüder vor Angriffen zu schützen", sagt Sabine Preuschoff, Superintendentin des Kirchenkreises Burgdorf. "Schon vor der Wahl in Thüringen war einer repräsentativen Umfrage zu entnehmen, dass Antisemitismus in Deutschland zunimmt und auch in den sogenannten besseren Kreisen hoffähig ist. Das Wahlergebnis für die AfD in Thüringen mit ihrem faschistischen Führer hat dies erschreckend bestätigt.

Die in der weit überwiegenden Mehrheit demokratisch denkenden Bürgerinnen und Bürger sollten zeigen, dass Menschenwürde unteilbar ist. Ich lade daher dazu ein, am Ring der Solidarität teilzunehmen. Menschenketten vor jüdischen Gebetshäusern sind aber nur ein Zeichen für unsere Solidarität mit den jüdischen Gemeinden. Es braucht mehr: nämlich das stete Eintreten gegen jegliche antisemitische Äußerung. Worte bereiten den Nährboden für Taten. Deshalb darf antisemitische Hetze nicht unwidersprochen bleiben“, sagt die Superintendentin.

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