Trauer um Pastor i.R. Rudolf Bembenneck

Rudolf Bembenneck ist am 24. August 1933 in Schlangen (Lippe) geboren.

Sein erster Beruf, den er von 1950 bis 1957 ausübte, war Postbeamter. 1957 begann Bembenneck eine Ausbildung an der Evangelistenschule „Johanneum“ in Wuppertal, die er 1960 erfolgreich abschloß.

Von 1960 bis 1969 war er Geschäftsführer des Männerwerkes des damals noch bestehenden evangelisch-lutherischen Sprengels Celle. Während dieser Zeit begann er eine berufsbegleitende Ausbildung zum Pfarrvikar. 1970 wurde Bembenneck zum Pastor ordiniert und blieb dann für 20 Jahre Seelsorger der St.-Pankratius-Kirchengemeinde in Burgdorf. Von 1990 bis zu seinem Ruhestand 1998 war Bembenneck Leiter der Bildungsstätte Lutherstift in Falkenburg, die sich unter anderem der berufsbegleitenden Ausbildung von Diakoninnen und Diakonen widmete.

1993 wurde Bembenneck zum Vorsitzenden des Landessynodalausschusses der Hannoverschen Landeskirche gewählt. Der Ausschuss vertritt die Synode, das Kirchenparlament, zwischen seinen Tagungen. Das Amt des Vorsitzenden gilt als eines der einflussreichsten in Deutschlands größter Landeskirche, weil dort weitreichende Entscheidungen vorbereitet werden. Er sagte damals: „Die Kirche muß zweierlei leisten: Zum einen ist sie da für eine einfühlsame, liebevolle Begleitung der Menschen in allen Lebensbereichen; sie sollte durchaus ein ‚kundenfreundlicher volkskirchlicher Dienstleistungsbetrieb’ sein. Zum anderen muß sie sich den Herausforderungen der Welt stellen und in Solidarität mit ihren Zeitgenossen nach Antworten und Wegen suchen. Auf keinen Fall darf sie sich in ein frommes Ghetto zurückziehen.“

Bembenneck selbst nannte in einem Interview die Wahl von Margot Käßmann zur Landesbischöfin 1999 als ein prägendes Ereignis seiner Amtszeit in der Synode. Mit der damals 41-jährigen Käßmann übernahm erstmals eine Frau das höchste Amt der Landeskirche. Bedrückt habe ihn hingegen, dass die Kirche während seiner Amtszeit viele junge, gut ausgebildete und motivierte Theologinnen und Theologen nicht in den pfarramtlichen Dienst habe übernehmen können.

Synoden-Präsident Matthias Kannengießer sagte dem Evangelischen Pressedienst, Bembenneck habe die Arbeit der Kirchenparlamentes über fast 25 Jahre in herausragender Weise mitgestaltet: „Wir verdanken Rudolf Bembenneck viele wichtige Impulse, die unsere Landeskirche bis heute prägen.“ Als Beispiele nannte er das Verhältnis von Christen und Juden, die Förderung von Frauen in Leitungsfunktionen und den offenen Umgang mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Neben hoher theologischer Kompetenz und rhetorischem Talent habe ihn seine Fähigkeit ausgezeichnet, auch bei strittigen Themen tragfähige Konsenslösungen zu erarbeiten.

1998 kehrte Rudolf Bembenneck aus Falkenberg zurück nach Burgdorf, um in der Stadt, mit der ihn nach wie vor viel verband, seinen Ruhestand zu verbringen. Mit seiner Frau Christa war er bis zu seinem Tod verheiratet. Die beiden haben zusammen sechs Kinder, die ihren Vater während seiner Krankheit betreut und begleitet haben.

2009 wurde ihm die Bürgermedaille der Stadt Burgdorf für besondere Dienste um die Stadt verliehen.

Die freie Journalistin Sandra Köhler schreibt im Anzeiger für Burgdorf und Uetze der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung am 15.12.2016 anlässlich der Übergabe der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland:

„Mit seiner eigenen Person im Mittelpunkt stehen: Das ist nichts für Rudolf Bembenneck. So sehr er sich für andere und seine Überzeugungen einsetzt, sich auch nicht zu fein ist, Klinken zu putzen, wenn es nötig ist, so wenig kann der bescheidene Theologe persönliche Huldigungen abgewinnen. Doch die ließ er vor fast 100 Gästen im Haus der Region über sich ergehen. Damit ihm wichtige Themen zur Sprache kommen konnten.

Weithin nach außen sichtbar sind dies die Aufarbeitung der Geschichte Burgdorfs insbesondere im Nationalsozialismus, das Schaffen einer Gedenkkultur und die Verständigung zwischen Christen und Juden. Von Stolpersteinen vor Häusern, in denen Juden lebten, über den Gedenkfries für Holocaustopfer im Ratssaal, von Ausstellungen über Publikationen und Gedenkveranstaltungen bis hin zu Projekten mit Jugendlichen reicht die Spanne dessen, was er initiiert hat. Darüber hinaus setzt sich Bembenneck in verschiedensten Einrichtungen und Gremien für Geflüchtete, Behinderte, Alte und Ausgegrenzte ein: gelebte Diakonie. …“

Unter diesem Link finden Sie Reden von Pastor Bembenneck, die er anlässlich Burgdorfer Ausstellungen gehalten hat:
https://www.kirchenkreis-burgdorf.de/downloads.html

Foto oben:
Stefan Heinze, Burgdorf

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