Und Gott sah, dass es gut war

Glaubenssache

Vikarin Ronja Hallemann. Foto: privat
Vikarin Ronja Hallemann. Foto: privat

Fast unbemerkt ist mir dieser Satz in letzter Zeit im Herzen festgewachsen. In der großen biblischen Schöpfungserzählung steht er im krassen Kontrast zu der noch völlig unfertigen Welt. Es hat doch gerade erst angefangen und es fehlt noch so viel, damit die Welt ganz ist, könnte man einwenden. Wie kann Gott denn diesen Rohling Erde und Leben und Mensch denn da schon gut finden?

Mein Vikariat steuert jetzt ziemlich scharf auf das Examen zu. Das heißt Lernen fur die Abschlussprufungen und die letzten offenen Punkte abhaken. Und nebenbei soll ich auch schon daruber nachdenken, was danach kommen soll. Was fur eine Stelle möchte ich „danach“ ubernehmen? Wo soll es hingehen und mit wem? Und dabei fuhle ich mich so unfertig wie die Welt am Anfang.

Es ist nicht das erste Mal in meinem Leben, dass ich denke, ich stehe ganz am Anfang. Aber es ist das erste Mal, dass dieser alte Satz in mir so groß wird, obwohl ich ihn schon seit dem Kindergarten kenne.

Und Gott sah, dass es gut war.

Und dann ist alles gut, weil Gott es ansieht.

Wir mussen nicht auf die Vollendung als Geschöpf Gottes warten, denn im Leben und im Werden sind wir bereits ganz. Schon ganz am Anfang – noch bevor wir uns selbst zum ersten Mal gesehen haben –, hat Gott uns angesehen. Und er hat gesehen, dass das gut ist, was er sieht. Das möchte ich mir selbst immer wieder ins Gedächtnis rufen, damit ich an allen Anfängen darauf vertrauen kann: Gott sieht mich und er sieht, dass es gut ist.

Ronja Hallemann
Vikarin in der St.-Pankratius-Kirchengemeinde, Burgdorf

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“

Die Kolumne erscheint jeweils samstags im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen und Religionsgemeinschaften schreiben Beiträge aus ihren Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie zeitaktuell gerade beschäftigt.

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