„Weltuntergang“ und „Giftblätter“

Glaubenssache

Diakonin Birgit Hornig. Foto: Wolfgang Hornig
Diakonin Birgit Hornig. Foto: Wolfgang Hornig

„Meine Zensuren bedeuten mir eigentlich gar nichts. Solange ich mein Abi schaffe, ist alles gut. Aber meine Eltern nehmen es ernst, nur weil ich ne Vier oder ne Fünf – mal! – geschrieben habe.“ Leonis entspannte Haltung zu ihren Schulnoten teilen nicht alle Konfirmandinnen und Konfirmanden. Von „Weltuntergang“ und „Mist Giftblättern“ ist die Rede. Pauline achtet sehr auf ihre Noten, denn sie „will später mal einen guten Beruf haben“. Lasse ist froh: er habe dieses Halbjahr gut abgeschnitten, obwohl er abends lange wach gewesen sei und nicht gelernt hätte.

Zeugnisse. Die ganze Bandbreite der Gefühlswelt tut sich auf für die Kinder und Jugendlichen, die alle halbe Jahr die Bewertung ihrer schulischen Leistungen bekommen. Es sei gut zu wissen, wo man steht, sagen sie. Schwarz auf weiß, in sechs Leistungsstufen, klare Aussagen.

Bewertet zu werden, Prüfungen zu bestehen, hört mit der Schule oder dem Studium ja längst nicht auf. Das Leben an sich ist oft ein viel härterer Lehrer; wer Fehler macht, muss die Konsequenzen tragen. Und die können manchmal heftig sein. Wie oft wünschte ich mir schon, die Zeit zurückdrehen zu können. In solchen Situationen ist es schwer zu glauben, dass ich einmal dankbar für meine Fehler sein könnte.

Fehler sind doch auch Chancen. Das zeigt uns Gottes Sohn und sein Umgang mit menschlichen Fehlern. Er sieht den Menschen ins Herz, er versteht und achtet sie trotz oder vielleicht sogar wegen ihrer Unzulänglichkeiten. Augustinus Aurelius brachte es auf den Punkt: Denen, die Gott lieben, verwandelt er alles in Gutes, auch ihre Irrwege und Fehler lässt Gott ihnen zum Guten werden.

Würde Gott Zeugnisse ausstellen – wie hießen dann wohl die Fächer? Hoffnung, Liebe, Freude und Respekt?

Birgit Hornig
Diakonin der Ev.-luth. Kirchengemeinde, Ilten – Höver – Bilm

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils samstags im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen und Religionsgemeinschaften schreiben Beiträge aus ihren Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie zeitaktuell gerade beschäftigt.

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