„Wir kriegen sie immer noch fast alle“

Kirchlicher Experte sieht rückläufige Konfirmanden-Zahlen gelassen

Konfirmation in der St.-Pankratiuskirche Burgdorf. Foto: S. Heinz
Konfirmation in der St.-Pankratiuskirche Burgdorf. Foto: S. Heinz

Hannover/Loccum (epd). Der Experte für Konfirmandenarbeit in der hannoverschen Landeskirche, Pastor Andreas Behr, sieht die rückläufigen Konfirmanden-Zahlen in Niedersachsen und Bremen gelassen. Sie seien auf den demografischen Wandel zurückzuführen. „Es besteht kein Grund zur Panik, weil seit Jahren konstant im Schnitt rund 90 Prozent der evangelischen 14-Jährigen in Deutschland zur Konfirmation gehen“, sagte Behr dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Wir kriegen sie also immer noch fast alle.“

Nach einer epd-Umfrage ist die Zahl der konfirmierten Jugendlichen in Niedersachsen und Bremen 2016 auf rund 36.000 gesunken. Im Jahr zuvor waren es noch 38.500. Jüngere Zahlen liegen nicht vor. „Wenn wir weniger Konfirmandinnen und Konfirmanden haben, liegt das daran, dass wir weniger 14-Jährige haben“, sagte Behr, der als Dozent für Konfirmandenarbeit am Religionspädagogischen Institut in Loccum bei Nienburg arbeitet.

Der Theologe räumte allerdings ein, dass es in den Großstädten durchaus Gemeinden gebe, in denen nur noch die Hälfte der 14-Jährigen zur Konfirmation gehe. Das treffe etwa auf Hannover oder klassische Arbeiterstädte wie Bremerhaven zu. Zudem sinke der Anteil der getauften Kinder, und Menschen träten bewusst aus der Kirche aus. „Immer mehr Menschen glauben heute gar nichts mehr.“

Dadurch werde auch der Anteil der evangelischen Jugendlichen weiter sinken. Nur sie könnten in der Regel von den Gemeinden zum Start der Konfirmandenzeit eingeladen werden, die in einem bis anderthalb Jahren auf die Konfirmation vorbereitet, sagte Behr: „Deshalb überlegen wir schon, wie wir für die Konfirmation werben können.“ Ein gutes Beispiel gäben etwa einige Gemeinden, die mit der Einladung an einen potenziellen Konfirmanden noch eine weitere Blanko-Einladung verschickten, die dieser an einen Freund weiterreichen solle.

Vorbilder könnten darüber hinaus ostdeutsche Gemeinden sein, die sich viel häufiger auch an die wenden müssten, die mit dem christlichen Glauben noch nie in Berührung gekommen seien. Dort würden etwa Segensfeiern auch für Ungetaufte angeboten. Sie hätten anders als die in der früheren DDR üblichen Jugendweihen christliche Anteile, aber gegenüber den Konfirmationen eine deutlich kürzere Vorbereitungszeit.

In den vergangenen Jahren seien zudem neue Modelle der Konfirmandenarbeit entwickelt worden, etwa mit Seminaren, „Konfi-Tagen“ oder einem ersten Vorbereitungskurs schon in der dritten Klasse. Fast immer stünden jugendliche Teamer den hauptamtlichen Pastoren oder Diakonen zur Seite. Auch Freizeiten bis hin zur dreiwöchigen Wanderung durch die Alpen könnten den „Fun-Faktor“ deutlich erhöhen. „Mit einer wöchentlichen Fortsetzung von Schulunterricht im Gemeindehaus, Auswendiglernen oder dem Zwang zum Gottesdienstbesuch kriegt man die Jugendlichen heute nicht mehr.“ (6058/06.04.18)epd lnb mas mig

epd-Gespräch: Martina Schwager

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