Zur Friedensarbeit nach Coventry

Martinskirche Sievershausen entsendet Maite Böhm ins Zentrum der Nagelkreuzgemeinschaft

Maite Böhm (links) wird von Pastorin Hanna Dallmeier und dem Kirchenvorstandsvorsitzenden Reinhard Kühn nach Coventry verabschiedet. Foto: privat
Maite Böhm (links) wird von Pastorin Hanna Dallmeier und dem Kirchenvorstandsvorsitzenden Reinhard Kühn nach Coventry verabschiedet. Foto: privat

Sievershausen. Aufbruchstimmung am Luthernagel in Sievershausen: Mit einer Feierstunde hat Pastorin Hanna Dallmeier Maite Böhm nach Coventry verabschiedet. Dort wird sich die 18-Jährige ein Jahr lang als einzige Jugendliche aus Deutschland im Zentrum der Nagelkreuzgemeinschaft für Frieden und Versöhnung einsetzen.

Mit einem Segen und ihrem Lieblingslied wurde Maite Böhm vom Sievershäuser Nagelkreuzzentrum nach England entsendet. Ab September arbeitet sie in Coventry, dem Ursprung und Zentrum der weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft, für ein Jahr als Freiwillige.

Bei der Aufnahme Sievershausens in die Nagelkreuzgemeinschaft im Jahr 2014 war sie schon einmal mit nach Coventry gefahren. Nun darf sie als einzige Jugendliche aus Deutschland für ein Jahr dort Dienst tun. Zum Abschied bekam sie von Pastorin Dallmeier ein Nagelkreuz im Miniaturformat überreicht.

Am Luthernagel erinnerte Dallmeier daran, dass sich just am Tag der Entsendung Böhms auch die "Schlacht vor Sievershausen" jährte. Sie wurde am 9. Juli 1553 in den Nachwirren der Reformation auf der freien Fläche zwischen Sievers-hausen und Arpke geschlagen. Sie forderte 4000 Tote in nur zwei Stunden - denn es wurden auch bis dahin noch wenig verbreitete Handfeuerwaffen eingesetzt. Die Sievershäuser, die mit dem Gemetzel eigentlich nichts zu tun hatten, flüchteten sich damals in den 1250 errichteten Wehrturm der Martinskirche.

Verheerend war auch der Luftangriff, den die deutsche Luftwaffe am 14. November 1940 auf Coventry flog. Er forderte mehr als 550 Tote, machte große Teile der Innenstadt, 4330 Häuser und unersetzliche Kulturgüter © PMG Presse-Monitor GmbH 3 / 27 Zum Inhaltsverzeichnis dem Erdboden gleich. Doch Domprobst Richard Howard rief bereits am Weihnachtstag 1940 aus der Ruine dazu auf, keine Rache zu üben, sondern nach Kriegsende gemeinsam mit dem Feind an einer freundlicheren Welt zu arbeiten.

Als Zeichen dafür steht das Nagelkreuz, das Pfarrer Arthur Wales aus drei Zimmermannnägeln aus den Dachbalken der verbrannten mittelalterlichen Kathedrale geformt hatte. Als Symbol wachsenden Vertrauens und gemeinsamer Verantwortung für den Frieden wurde das Kreuz Orten überreicht, die eine partnerschaftliche Verbindung zu Coventry pflegen. Die Martinskirche beherbergt das erste und bisher einzige Nagelkreuz Niedersachsens und mahnt zweimal im Monat freitags um 18 Uhr mit einer Nagelkreuzandacht zu Frieden und Versöhnung. Am 25. August hält Landesbischof Ralf Meister die Nagelkreuzandacht in Sievershausen.

Von Sandra Köhler

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