Kleinen Lebensbäumchen eine Chance geben

Glaubenssache

Prädikantin Simone Reuters. Foto: privat
Simone Reuters. Prädikantin der Kirchengemeinde Haimar. Foto: privat

Hoffnung bestimmt derzeit sicherlich unser Leben. Hoffen, dass es bald Impfstoff für alle gibt. Hoffnung, dass die Pandemie sich dem Ende nähert. Wir hoffen darauf, dass sich bald alles wieder zum Guten wendet und dennoch ist da ein Gefühl der Angst, der Ohnmacht, der Hilflosigkeit. Man kann nur abwarten. Dieses Warten kann recht schlimm sein. Warten, untätig rumsitzen, den Dingen ihren Lauf lassen und nicht eingreifen zu können. Ich kann das nur schwer aushalten.

Und dennoch, die Hoffnung darauf, dass schon alles gut werden wird, schwingt in der Warterei immer mit. In einem Moment des Wartens ist die Hoffnung dann ganz deutlich zu spüren. Dann ist es soweit, sie ist da: Die Lösung, auf die man gewartet hat und dann kann aus dem Moment, in dem der Druck von uns abfällt, etwas Neues entstehen. Dieser eine kleine Moment ist das Saatkorn für das, was kommen wird und kann zu einem Lebensbaum heranwachsen, wenn man ihn lässt. Diesen Baum als solchen wahrzunehmen fällt vielen schwer, auch mir gelegentlich. Aber in Nachhinein betrachtet ist er doch immer da, wenn auch zunächst nur klein und zierlich, wie ein Sprössling eben ist. Er benötigt unsere Pflege und Achtsamkeit um groß und kräftig zu werden.

Darum sollten wir, gerade in der Zeit des Wartens acht auf unsere eigenen kleinen Lebensbäumchen geben und ihnen eine Chance gewähren, zu wachsen und zu gedeihen. So können wir, wenn das Warten vorbei ist, unsere Äste dem Leben entgegenstrecken und zeigen, das Hoffnung Früchte tragen kann.

Simone Reuters
Prädikantin Ev.-luth. Kirchengemeinde Haimar

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“

Die Kolumne erscheint jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.

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