Selten so aktuell

Gemeindereferent Stefan Horn. Foto: privat
Gemeindereferent Stefan Horn. Foto: privat

Im Blick auf das Gleichnis vom gerechten Lohn im Weinberg lade ich Sie ein, sich einmal in die dargestellten Personen hineinzuversetzen. Wie stellt sich die Geschichte aus heutiger Chefperspektive dar? Fallen uns da Sätze ein wie: "Ich bezahle euch ja nicht umsonst – draußen stehen noch genug, die auf Arbeit warten." Oder aus der Sicht eines/r Arbeitslosen: "Immer kommen zuerst die Jungen und Starken dran, es ist zum Verzweifeln. Ich möchte doch auch meinen Beitrag in der Arbeitswelt leisten. Hoffentlich stellt mich jemand ein."

Die Langzeitarbeiter wären ruhig gewesen, hätten die anderen erkennbar weniger als sie bekommen, also weniger oder zu wenig zum Leben. So hat die Erzählung klar zum Ziel, Solidarität zu lehren. Auch die jetzt zuerst Angeworbenen, weil vielleicht jung und vor Vitalität strotzend, werden älter, gebrechlicher, schwächer. Sie werden dann möglicherweise auch später am Arbeitsmarkt angeworben. In einer solidarischen Gesellschaft dürfen sie darauf vertrauen, dass sie dann auch genug zum Leben haben werden.

Die Güte Gottes hat zur Konsequenz die Solidarität der Menschen. Gütig sein untereinander, sich gegenseitig das gönnen, was zum Leben notwendig ist, wäre eine neue Kategorien für ein Wirtschaften, wo es darum geht, dass niemand sich auf Kosten anderer bereichert, dass am Ende des Tages alle genug zum Leben haben. Und das nicht erst im Himmelreich, sondern gerade auch jetzt und während der Coronapandemie hier auf Erden.

Stefan Horn
Gemeindereferent
Röm.-kath. Nikolausgemeinde Burgdorf

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“

Die Kolumne erscheint jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.

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