Wer ist schuld ?

Glaubenssache

Superintendentin Sabine Preuschoff. Foto: Dethard Hilbig
Superintendentin Sabine Preuschoff. Foto: D. Hilbig

Es ist wieder so weit: Shutdown – jedenfalls in großen Teilen. Kultur und Sport abgesagt. Restaurants geschlossen. Begegnungen von Menschen reduziert. Einkaufen möglich, aber begrenzt.

Das ist nicht schön. Auch mich belastet es. Es ist eine Aufgabe, Wege zu finden, Menschen jetzt nicht allein zu lassen. Es ist mühsam, die Arbeit, die getan werden muss, unter diesen Umständen zu tun. Und es schmerzt, die Eltern nicht zu sehen. Und selbst mehr allein zu sein.

Aber ich akzeptiere es, weil auch ich hoffe, dass dadurch unser Gesundheitssystem in der Lage bleibt, jene zu behandeln, die dringend medizinische Hilfe benötigen.

Ja, man kann und muss darüber diskutieren, was sinnvoll und was notwendig ist. Mich macht aber wütend, welche Auswüchse es dabei gibt. Ein Politiker, dem im Netz Hass entgegenschlägt bis hin zur Empfehlung, seinem Leben ein Ende zu setzen. Verschwörungstheoretiker mit ihrer ganz eigenen kruden Sicht auf die Welt – oft verbunden mit antisemitischer Hetze. Und die sofortige Suche nach Schuldigen. Die sind schnell gefunden: die Alten, die die Alltagsmaske unter Kinn und Nase tragen. Die Mittdreißiger, die Reisen in Hotspots unternommen haben. Die Großfamilien, die ungerührt weiter Feste feiern. Die Jugendlichen, die ja immer nur Party machen wollen – ohne Rücksicht auf Verluste.

Zur letztgenannten Schuldzuweisung: Ich kenne viele hoch verantwortungsbewusste Jugendliche. Und wer schaut eigentlich darauf, was es im Leben eines Jugendlichen bedeutet, ein Jahr oder länger in Distanz zu leben? Was für eine Generation wird da geprägt – die Kontakte, Lernen, Freizeit u.a. vornehmlich digital erlebt?

Mit Schuldzuweisungen werden wir die Krise nicht bewältigen. Vielmehr braucht es den liebevollen Blick auf den anderen und die Für-Sorge: Was kann ich tun, damit wir gemeinsam durch diese schwere Zeit kommen? Ich vertraue dabei auch auf jene Stärkung, die uns durch Gott gegeben ist: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1,7)

Sabine Preuschoff
Superintendentin des Ev.-luth. Kirchenkreises Burgdorf

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.

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