Zuerst ein Diener werden?

Glaubenssache

Volkmar Günther, Pastor der Landeskirchlichen Gemeinschaft. Foto: Stefan Heinze
Volkmar Günther, Pastor der Landeskirchlichen Gemeinschaft. Foto: Stefan Heinze

Wenn es darauf ankommt, wollen wir gut wegkommen. Oder? Lieber die Pole-Position erwischen als die zweite Geige zu spielen. Vorn mitmischen, statt sich hinten anstellen. Wer oben ist, steht im Rampenlicht.

Das dachten sich auch zwei derer, die mit Jesus Christus unterwegs waren, um von ihm für ihr Leben zu lernen. Klug dachten sie dabei bereits an kommende Zeiten. Schließlich muss man ja vorsorgen – ganz nach dem Motto: „Wer zuerst kommt, malt zuerst“. Dabei wollten sie gleich die Gelegenheit beim Schopfe fassen, sich die besten Plätze im Himmelreich zu sichern. Sie glänzten nicht gerade durch Bescheidenheit; gleich rechts und links, unmittelbar neben dem Herrn, wollten sie Platz nehmen.

Doch Jesus erwiderte: „Die Ehrenplätze habe ich nicht zu vergeben. Das ist nicht meine Aufgabe. Mein Vater kümmert sich darum. Wer immer von euch wirklich groß sein will, muss erst der Diener aller werden. Und wer unter euch der Erste sein will, muss erst einmal der Sklave aller werden. Denn genau das hat der Menschensohn getan. Er kam, um zu dienen, nicht, um bedient zu werden – und um dann sein Leben zur Erlösung für die vielen hinzugeben, die noch in der Gefangenschaft von Schuld, Sünde und Tod leben“ (Matthäus-Evangelium, Kapitel 20, Verse 26 bis 28).

Demnach fragt uns die Passionszeit unter anderem, ob auch wir Jesu Wahl zu der unseren machen wollen: Statt zuerst um den eigenen Vorteil zu konkurrieren, eher danach zu trachten, anderen Menschen mit Freuden zu dienen. Zugegeben, der Gedanke scheint auf den ersten Blick unattraktiv ist aber durchaus verheißungsvoll.

Volkmar Günther,
Pastor der Landeskirchlichen Gemeinschaft, Burgdorf

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“

Die Kolumne erscheint jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.

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