Zweifel gehören dazu

Glaubenssache

Anette Heinze, Ehrenamtliche Mitarbeiterin der St.-Nikolaus-Gemeinde, Burgdorf. Foto: privat
Anette Heinze, Ehrenamtliche in der St.-Nikolaus-Gemeinde. Foto: privat

Neulich hat mir eine Bekannte etwas Ungeheuerliches erzählt. Aber so wirklich verstehen kann ich das Ganze nicht. Schnell schleicht sich da bei mir eine gewisse Portion Skepsis oder Zweifel ein. Ich brauche einen Beweis, damit ich es glauben kann.

An diesem Wochenende hören wir im Evangelium von „Thomas dem Zweifler“. Thomas zweifelt am Zeugnis seiner Freunde, den auferstandenen Jesus gesehen zu haben. Er will die Wundmale sehen und seine Hand in die Seite Jesu legen, erst dann kann er es glauben. Einige Zeit später hat Thomas seine eigene und ganz besondere Begegnung mit dem Auferstandenen. Jesus betritt den verschlossenen Raum. Er grüßt mit dem Friedensgruß und wendet sich dann in besonderer Weise dem Thomas zu – und zwar in der Weise, wie Thomas es braucht. Nicht die Spur eines Vorwurfes, nicht die Spur einer Belehrung. Jesus geht auf Thomas zu und fordert ihn auf, die Wundmale an seinen Händen zu berühren und dann seine Hand in die offene Seite zu legen. Thomas erkennt: Der Auferstandene ist der Gekreuzigte. So gibt Jesus allen Leidenden die Gewissheit, dass sie mit ihren Verletzungen und Wunden bei Gott aufgehoben sind. So sind wir alle mit unserem Leben – mit unserem Leiden, Kämpfen und Lieben – in diesem Geschehen von Leid, Kreuz und Auferstehung Jesu aufgehoben.

John Henry Newman, der berühmte englische Kardinal, hat einmal gesagt: „Glauben heißt auch, Zweifel ertragen zu können“. Das heißt dann aber auch: wenn man zweifelt, bedeutet das nicht automatisch, dass man glaubensschwach ist. Wenn ich meine Zweifel ertragen kann und TROTZDEM am Glauben, der sich in meiner Hoffnung und Lebensfreude zeigt, festhalten kann, dann ist das geradezu ein Zeichen von Glaubensstärke. Dieses könnte auch eine Ermutigung sein, in dieser Zeit nicht immer nur an den Coronaregeln zu verzweifeln, sondern optimistisch nach vorne zu blicken. denn die positive Sicht führt uns tiefer zu uns selbst und eröffnet uns neue Sichtweisen.

Anette Heinze
Ehrenamtliche Mitarbeiterin der St.-Nikolaus-Gemeinde, Burgdorf

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.

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